Seminar „Wirtschaftsprüfung 4.0“ – Aktives Lernen Studierender durch selbst erstellte Lehrvideos

in Zusammenarbeit mit Katharina Dillkötter und Prof. Dr. Gerrit Brösel

Technische Voraussetzungen
Frei wählbare Technik zur Produktion eines Videos

Vorbereitung
Beratung der Studierenden (30 Min.), Umarbeitung der Konzepte zur Produktion ca. 4 Stunden

Anzahl Studierende
Es stehen 8-10 Seminarplätze zur Verfügung.

Kontakt
Sina Kurte, Fakultät WiWi, LS für BWL, insbesondere Wirtschaftsprüfung

Diversität
Einbringen individueller Stärken und Erfahrungen durch Studierende

Beschreibung

In den wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen an der FernUniversität in Hagen müssen Studierende an einem Seminar teilnehmen und hierin Prüfungsleistungen ablegen. Seminare werden von allen Lehrstühlen der Fakultät zu jeweils unterschiedlichen Thematiken angeboten. Üblicherweise besteht die Prüfungsleistung für ein Seminar im Verfassen einer wissenschaftlichen Hausarbeit zu einem vorgegebenen Thema sowie der aktiven Teilnahme an einer Präsenzveranstaltung inklusive Präsentation eines kurzen Vortrags zur eigenen Hausarbeit bzw. eines Teiles davon. Dieser Ablauf gibt den Studierenden zwar einerseits Sicherheit, ist aber auch relativ starr und je nach Anzahl der Teilnehmenden kann es für alle Beteiligten sehr anstrengend sein, ein oder zwei Tage lang aufmerksam Vorträgen zuzuhören.

Der Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung, hat daher ein Konzept entwickelt, um die Präsenzveranstaltung bzw. insbesondere die studentischen Vorträge innovativer und abwechslungsreicher zu gestalten. Der Lehrstuhl hatte bereits positive Erfahrungen mit selbsterstellten Lehrvideos gesammelt. In mehreren kurzen Animationsvideos werden dabei zentrale Begriffe aus der allgemeinen BWL sowie aus den Fachgebieten Rechnungslegung und Wirtschaftsprüfung anschaulich und auch für Fachfremde bzw. wirtschaftswissenschaftliche Lai*innen verständlich aufbereitet und durch die zentrale Figur Albert vermittelt. Eine weitere Besonderheit dieser Videos ist, dass sie durch den Lehrstuhlinhaber, Prof. Dr. Gerrit Brösel, selbst eingesprochen werden. Hierdurch bietet sich insbesondere für Fernstudierende eine Möglichkeit, sich einen persönlicheren Eindruck von einem ihrer Professoren zu verschaffen. Die Videos des Lehrstuhls wurden von Herrn Sascha Senicer aus dem Team Digitale Medienservices produziert, z. B.:

Dieser Ansatz wurde in die Gestaltung der Präsenzphase des Seminars übertragen, indem die Studierenden den Auftrag erhielten, statt eines mündlichen Vortrags ein kurzes Lehrvideo zu einem Thema der Betriebswirtschaftslehre zu erstellen und zu präsentieren. Dabei werden den Studierenden Themenbereiche wie „Jahresabschluss nach HGB“ oder „Konzernrechnungslegung“ vorgegeben. Daher besteht die besondere Herausforderung für die Studierenden auch darin, ein Thema zu finden, dass einerseits ausreichend komplex ist, damit es einer Erklärung bedarf, aber andererseits in Form eines Erklärvideos von ca. 3 Minuten abgedeckt werden kann. Besonders interessant ist die Erläuterung der Themenfindung durch die Studierenden, weil dies auch dazu führt, dass sie ihre Praxiserfahrungen mit komplexen Thematiken mit den anderen Seminarteilnehmern teilen können. Ist das Thema gefunden, können die Studierenden auch selbst die passende technische Umsetzung wählen. Bisher haben die Studierenden mit Programmen wie mysimpleshow, Adobe spark oder powtoon sowie animierten Powerpoint Präsentationen gearbeitet oder ein klassisches Video mit der Videokamera oder dem Handy gedreht. Dabei kommt es nicht darauf an, ob das Video technisch einwandfrei umgesetzt wurde, sondern, dass die gewählte Vorgehensweise die Erklärung unterstützt. Zusätzlich erarbeiteten die Studierenden während der Seminarsitzungen in Gruppen ein Konzept für ein weiteres Lehrvideo.

Jene Konzepte, die durch die Seminarleitung positiv bewertet wurden, wurden im Anschluss ausgewählt und in der Lehrvideo-Reihe des Lehrstuhls umgesetzt. Ein sehr gutes Beispiel ist das Video von Frau Tamara Gerzen, die sich in ihrem Video mit dem Berufsweg zum Wirtschaftsprüfer beschäftigt hat.

Der Hauptvorteil dieser Vorgehensweise besteht darin, dass die Studierenden angeregt werden sich vertiefend in ein kleines, abgegrenztes Thema, vielleicht auch nur die Erklärung eines Fachbegriffs, einzuarbeiten. Gleichzeitig müssen sie sich fundiert Gedanken darüber machen, wie sie ihre Inhalte für andere nachvollziehbar vermittelt können. Und darüber hinaus bietet ein Lehrvideo noch vielfältige Optionen, kreativ zu werden, indem eine Hintergrundgeschichte überlegt, Animationen erstellt und Texte vorbereitet werden müssen.
Die Rückmeldung der Studierenden war durchweg positiv. Die Studierenden schaffen es sehr gut, auch für die „trockensten“ Bereiche des Rechnungswesens bzw. der BWL kreative Ideen zu finden. Die teilweise sehr humorvollen Umsetzungen führen zu einer positiven Seminaratmosphäre. Aber auch für die Lehrenden ist die Seminarveranstaltung sehr spannend, weil eine Rückkopplung erfolgt, welche Themen für die Studierenden als komplex und erklärungsbedürftig empfunden werden. In der Gruppenarbeitsphase können die Studierenden ihre Erfahrung aus der Einzelarbeitsphase erweitern.

Weitere Informationen

Voraussetzung für die Lehrenden

  • Hintergrundinformationen zur Erstellung von Lehrvideos
  • Grundkenntnisse möglicher Tools zur Erstellung von Lehrvideos
  • Fähigkeit, die Studierenden für neue Umsetzungsformen zu begeistern

Methoden

  • Lehrvideos
  • Aktivierung der Studierenden
  • Gruppenarbeit
  • Lernen durch Lehren/Perspektivwechsel

Kontakt

  • Prof. Dr. Gerrit Brösel, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung
  • Sina Kurte M.Sc., Fakultät für Wirtschaftswissenschaft, Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Wirtschaftsprüfung

Übersicht

Ziele

  • Alternativen zum Vortragsformat in Seminaren entwickeln
  • Seminarsitzungen abwechslungsreicher gestalten
  • fachliche Inhalte anschaulich und unterhaltsam (auch für Fachfremde) erklären
  • Studierende zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit den Inhalten anregen
  • Studierende aktivieren, das erarbeitete Wissen aufzubereiten und mit anderen zu teilen

Kontext

Seminar in den Studiengängen B.Sc. Wirtschaftswissenschaft, B.Sc. Wirtschaftsinformatik, M.Sc. Wirtschaftswissenschaft, M.Sc. Wirtschaftsinformatik M.Sc. Volkswirtschaftslehre

Problem

Bisher wurden Seminarsitzungen immer im Vortragsformat gestaltet. Das bedeutete, dass an ein oder zwei Tagen ein studentischer Vortrag auf den anderen folgte. Dieses Format war sowohl für Lehrende als auch für Studierende schnell anstrengend und bot wenig Raum für Kreativität.

Lösung

  • mündliche Vorträge wurden durch zu erstellende Lehrvideos ersetzt
  • zusätzlich erarbeiten die Studierenden in den Seminarsitzungen ein Konzept für ein zweites Lehrvideo
  • Steigerung der Motivation durch Möglichkeit, dass gute Konzepte durch den Lehrstuhl und das ZMI als eigenes Lehrvideo produziert werden

Vorteile

  • Seminarsitzungen werden abwechslungsreicher und bieten Raum für kreative Ideen
  • bisher eher als „trocken“ empfundenes Wissen wird anschaulich und unterhaltsam vermittelt
  • Inhalte werden so aufbereitet, dass die Videos auch für interessierte fachfremde Zuschauer*innen verständlich sind
  • Studierende werden durch selbsterstellte Videos zur aktiven Auseinandersetzung mit Inhalten und deren Vermittlung angeregt
  • Studierende wechseln die Perspektive durch die Erstellung eigener Videos und müssen selbst überlegen, wie sie Inhalte korrekt und methodisch aufbereitet erklären
  • Studierende können bei der Erstellung auf ihre Praxiserfahrung zurückgreifen und diese mit den anderen Studierenden teilen

Nachteile

  • aufwändige Vorbereitung bei der erstmaligen Umsetzung
  • Inhalte müssen sich für die Vermittlung als Lehrvideo eignen
  • Studierende können Vorbehalte gegenüber dem Format und dem Umsetzungsaufwand haben

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