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Selbsterstellte Videos der Studierenden als neues Format in der juristischen Rhetorik-Ausbildung

Selbsterstellte Videos der Studierenden als neues Format in der juristischen Rhetorik-Ausbildung

in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen, Pauline Grashoff und Mehmet Bartu

Technische Voraussetzungen

Webcam und Mikrofon für die Diskussion, für die Aufnahme der Videos Kamera bzw. mobiles Endgerät mit Videoaufnahmefunktion

Vorbereitung

Die Vorbereitung der Aufgabe und die Erstellung der Bewertungsbögen haben etwa drei Monate in Anspruch genommen.

Anzahl Studierende

Optimal wären bis 200 Teilnehmer*innen pro Durchgang. Im SS 2020 waren es jedoch ca. 360 Studierende.

Beratung

Die Planung und Umsetzung erfolgte in enger Zusammenarbeit mit dem Zentralbereich.

Kontakt

Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie

Beschreibung

Ein Bild, das vermutlich viele Leser*innen aus Film und Fernsehen spontan vor Augen haben werden: Eine Gerichtsverhandlung, es sieht denkbar schlecht für den Angeklagten aus. Doch dann kommt der Auftritt seiner Anwältin, die es durch geschicktes Fragen und einen brillanten Vortrag schafft, dass der wichtigste Zeuge zugibt, gelogen zu haben. Der Angeklagte wird freigesprochen, es folgt die große Siegesfeier. Auch wenn dieses Setting den Berufsalltag von Jurist*innen insbesondere mit LL.B.-Abschluss nicht akkurat wiedergibt, findet sich doch ein wichtiges Element darin: Rhetorische Kenntnisse und ihre Anwendung sind zentral für viele juristische Berufsfelder – auch in Behörden oder der Privatwirtschaft.

Diesem Aspekt wird auch in der Ausbildung zukünftiger Jurist*innen an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der FernUniversität Rechnung getragen. Das Modul „Rhetorik, Verhandeln und Mediation“ kann als Wahlfach sowohl im Bachelor of Laws als auch im Studiengang für die Erste Juristische Prüfung belegt werden. Es wird verantwortet vom Lehrstuhl für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie unter der Leitung von Frau Professorin Katharina Gräfin von Schlieffen. Das Modul vermittelt Kenntnisse in den Bereichen Rhetorik, Verhandeln und Mediation. Neben Studienmaterialien zu den theoretischen Inhalten, Einsendeaufgaben und einer schriftlichen Klausur zum Modulabschluss ist ein besonderer Bestandteil ein Präsenzseminar, bei dem die Lernenden ganz im Sinne der kompetenzorientierten Lehre das erworbene Wissen praktisch umsetzen und in Diskussionen und Vorträgen anwenden.

Die Coronapandemie machte eine Umsetzung des Präsenzseminars im Sommersemester 2020 unmöglich. Ausfallen lassen wollte der Lehrstuhl das Angebot auf keinen Fall. Es ist eine der wenigen Präsenzveranstaltungen im juristischen Studium an der FernUniversität und auch wenn die Studierenden im Vorfeld meist die Anreise und den Redestress scheuten, zeigten die positiven Rückmeldungen im Nachgang immer, wie wichtig dieses Angebot war.

Da also feststand, dass eine Absage nicht in Frage kam, entschloss sich der Lehrstuhl, etwas Neues auszuprobieren: Die Studierenden sollten zu Hause eine Rede schreiben, den Text in einer bestimmten Rolle überzeugend präsentieren, sich dabei auf Video aufnehmen, ihren eigenen Auftritt anschließend fachkundig rhetorisch analysieren und danach ihre Leistungen in der Kleingruppe online besprechen.

Das Thema der Reden ergab sich aus dem Setting einer „Docu Fiction“ um das Land Lamovia. Der Staat ist EU-Mitglied, verlässt jedoch Schritt für Schritt den Weg der Rechtsstaatlichkeit. Die Studierenden schlüpften in die Rollen fiktiver EU-Parlamentarier*innen unterschiedlicher Fraktionen und stellten in ihren Reden die verschiedenen Standpunkte zum Umgang mit Lamovia in einer Debatte im EU-Parlament dar. Theoretische Basis blieben weiterhin die Inhalte der schriftlichen Studienmaterialien des Moduls.

Zu den Redebeiträgen der Studierenden sagt die Lehrstuhlinhaberin, Frau Professorin Katharina Gräfin von Schlieffen, folgendes:

„Die Studierenden haben ihre Aufgaben erstaunlich gut gelöst. Die Beiträge waren oft großes Drama und bewiesen einen durchdachten Umgang mit Pathos. Nicht wenige haben hervorragend argumentiert und waren einfach brillant.“

Ein kurzer Einblick in die Beiträge der Studierenden:

Von den Studierenden wurde die Aufgabe wegen der verschiedenen Aspekte, die darin zum Tragen kamen – Konzeption, Präsentation, Selbstanalyse und interaktive Reflektion – als sehr lehrreich empfunden.

Für den Lehrstuhl war die Umsetzung dieser neuen Aufgabenform sehr arbeitsintensiv. Zusätzlich zu einem ohnehin hohen und durch Corona noch verstärkten Arbeitsaufwand wurde das Konzept im laufenden Betrieb entwickelt und umgesetzt. Am Ende lagen 360 dreiminütige Videos und Analysen vor, die durch die Mitarbeitenden, insbesondere Mehmet Bartu und Pauline Grashoff, gesichtet wurden. Die Studierenden erhielten zu ihrem Video und ihrer Analyse eine schriftliche Bewertung und eine Benotung.

Sowohl die sehr guten Ergebnisse als auch die positiven Rückmeldungen der Studierenden zeigen jedoch, dass das neue Format erfolgreich und damit den zusätzlichen Arbeitsaufwand wert gewesen ist.

Weitere Informationen

Voraussetzungen

  • auf Seiten der Studierenden: Webcam und Mikrofon bzw. mobiles Endgerät mit entsprechend integrierten Funktionen für die Videoaufnahmen
  • theoretische Kenntnisse über juristische Rhetorik
  • Kleingruppen für die abschließende Online-Diskussion, in der die Studierenden einige der aufgezeichneten Videos evaluieren

Tools

  • evtl. Software zur Videoaufnahme; es reichen aber auch integrierte Webcams in Notebooks oder Smartphones
  • Moodle zur Bereitstellung der schriftlichen Lehrmaterialien
  • USB-Sticks oder Speicherkarten zum Versenden der Videos an den Lehrstuhl; YouTube für die Bereitstellung besonders gelungener Videos

Hinweise

  • Lehrende sollten unbedingt die Datenschutzgrundverordnung berücksichtigen.
  • Die Planung ist sehr aufwändig und muss teilweise parallel zum Semester erfolgen, da immer wieder neue Aspekte oder Probleme auftreten können.

Kontakt

Prof. Dr. Katharina Gräfin von Schlieffen, Lehrstuhl für Öffentliches Recht, juristische Rhetorik und Rechtsphilosophie

Übersicht

Ziele

  • den Studierenden theoretisches Wissen über juristische Rhetorik vermitteln
  • das theoretische Wissen praktisch am Beispiel einer selbst vorbereiteten Rede anwenden
  • kompetenzorientierte Wissensvermittlung/ kompetenzorientiertes Prüfen

Kontext

Wahlmodul „Rhetorik, Verhandeln und Mediation“ in den Studiengängen Bachelor of Laws und Erste Juristische Staatsprüfung

Problem

Durch die Coronapandemie konnten die Studierenden das erworbene theoretische Wissen nicht durch vorbereitete Reden in einem Präsenzseminar anwenden.

Lösung

Die Reden wurden von den Studierenden als Videos aufgenommen, selbst analysiert und im Anschluss in einer Kleingruppe mit Kommiliton*innen diskutiert.

Vorteile

  • Ansatz der Kompetenzorientierung des Moduls bleibt erhalten
  • theoretisches Wissen kann in Praxis erprobt/umgesetzt werden
  • keine Präsenzphase notwendig

Nachteile

  • Bei der Erstumsetzung sehr zeitaufwändig und arbeitsintensiv für die Lehrenden


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