Rückblick auf die Inverted Classroom Konferenz in Marburg

Am 26. und 27. Februar fand an der Philipps-Universität in Marburg zum achten und in Marburg letzten Mal die Konferenz “Inverted Classroom” statt. Rund 120 Teilnehmende informierten sich über das Inverted Classroom Model (ICM) und erarbeiteten ganz unterschiedliche Szenarien in diesem Zusammenhang. Seit einigen Jahren schon erweitert die Tagung die Besprechung des eigentlichen Mottos durch Ausblicke, wie das Modell durch innovative Szenarien erweitert werden kann. Dies war auch in diesem Jahr wieder so.

MOOCs, Blockchain, KI, OER, Maker – Buzzword-Alarm mit Substanz

Die Titel der drei Keynotes der Konferenz beinhalteten alle Buzzwords, die in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der Digitalisierung von Bildung durch die Gegend schwirrten: MOOCs, Blockchain, Künstliche Intelligenz, OER, Maker Szene. Allerdings war durch die Auswahl der Referenten sichergestellt, dass diese Buzzwords in den Vorträgen auch mit Substanz gefüllt wurden und nicht bloß leere Wordhülsen blieben. So ist Andreas Wittke als Chief Digital Officer (CDO) der Technischen Hochschule Lübeck seit Jahren zuständig für die Organisation der E-Learning-Services der oncampus GmbH. Alexander Schnücker von der Hochschuldidaktik der Uni Siegen ist Experte für OER. Und Martin Ebner von der TU Graz muss in der E-Learning-Community eigentlich gar nicht mehr vorgestellt werden – Stichworte: e-Learning-Blog, iMoox und L3T. Alle drei sind Vorreiter, was den Einsatz von digitalen Technologien in Bildungskontexten anbelangt.

Andreas Wittke stellte die Entwicklung der oncampus Plattform vor und zeigte, wie MOOCs zu einem Motor für Innovation werden können. So werden beispielsweise Zertifikate in der Blockchain gespeichert und Chatbots programmiert, die eine ganze Reihe von Studierendenanfragen bereits beantworten können. Gefüttert werden sie dafür übrigens von fachlich qualifizierten Personen, die den Chatbot neben realen Anfragen auch mit weiteren möglichen trainieren.

 

Alexander Schnücker betonte die Wichtigkeit von Offenen Bildungsressourcen und stellte die Ressourcen der Hochschuldidaktik der Uni Siegen vor. Neben spielerischen Ansätzen wie dem Mensch OERgere dich nicht-Spiel finden sich dort auch viele weitere Materialien zum Thema OER. Tenor des Vortrags: OER sind derzeit vorrangig eine Sache der Haltung. Die technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen sind vorhanden.

Martin Ebner beleuchtete schließlich ein Thema, das zwar vorrangig im Schulbereich angesiedelt ist, das aber ebenso für die Hochschulen interessant ist: die Bildungsinformatik. Diese beschäftigt sich mit primär informatischen Lösungen für Bildungsprobleme. Ebner sieht darin eine dringend erforderliche Aufgabe aller Bildungseinrichtungen. Für ihn ist nämlich die digitale Mündigkeit ein wichtiger Aspekt in einer zunehmend von Digitalisierung geprägten Gesellschaft. Nur wer tatsächlich durchschauen kann, wie die Algorithmen funktionieren, kann in einer solchen Gesellschaft auch eigene Entscheidungen treffen. Ein Ansatz dazu ist die Maker Szene, die seit einigen Jahren mit Kindern Maker Days veranstaltet, auf denen diese dann mit Hilfe von Mini-Computern, Bastelmaterial und Lego-Robotern Projekte wie z.B. eine ideale Stadt auf die Beine stellen. Weiter Informationen finden sich auf den Seiten der Maker Days.

H5P, IVC, Roboter – Konzepte und Werkzeuge für die Lehre der Zukunft

In den Workshops zwischen den Keynotes ging es um sehr unterschiedliche Aspekte, die die Lehre der Zukunft prägen werden. Das Plugin H5P und seine Anwendungsmöglichkeiten bildeten den Schwerpunkt des Workshops von Anja Lorenz vom Institut für Lerndienstleistungen der TH Lübeck. Prof. Alexander Zielonka von der Hochschule Fresenius stellte seinen Ansatz des ICM mit einer virtuellen Phase vor – daher das V im Inverted Virtual Classroom. Ein Interview mit Prof. Zielonka wird demnächst hier im Blog folgen. Schließlich ließen die Tagungsorganisatoren es sich nicht nehmen, auch ihre Pojekte im Rahmen von Workshops vorzustellen. Im Robotikum werden Schülerinnen und Schüler darauf neugierig gemacht, hinter die Kulissen der Digitalisierung zu schauen, indem Sie mit humanoiden Robotern arbeiten. Im folgenden Video gibt es einen kleinen Einblick dazu.

Fazit

Die ICM-Konferenz ist jedes Jahr ein Highlight für diejenigen, die sich mit innovativen Technologien und deren didaktisch sinnvoller Anwendung in Bildungszusammenhängen beschäftigen. Leider wird die Tagung aufgrund der baldigen Pensionierung von Prof. Handke in Zukunft nicht mehr in Marburg stattfinden. Allerdings wird die Konferenz unter dem Titel “ICM beyond” in den nächsten Jahren abwechselnd an der PH St. Gallen, der FH St. Pölten und der Uni Paderborn stattfinden. Eine Reise lohnt sich!

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