Kollaborative Erschließung wissenschaftlicher Texte – Social Reading in einem Philosophieseminar

in Zusammenarbeit mit PD Dr. Jens Lemanski

Technische Voraussetzungen
Moodle, Camtasia, Nota Bene

Vorbereitung
40 Stunden (inkl. Einarbeitung in Camtasia und Videoerstellung)

Anzahl Studierende
max. 40 (themenabhängig – evtl. auch weniger)

Kontakt
PD Dr. Jens Lemanski, Fakultät KSW, LG Philosophie I

Beratung
Markus Kroll, Fachmediendidaktiker
e-KOO

Beschreibung

In der Philosophie ist wie in allen Geisteswissenschaften die Auseinandersetzung mit theoretischen Texten ein zentrales Element des Studiums. Es zeigt sich jedoch, dass die kritische und methodische Lektüre selbst im Masterstudium nicht zu den Kompetenzen gehört, die alle Studierenden mitbringen. Um dies zu fördern, wurde im Kontext eines Präsenzseminars im Modul „Einführung in die theoretische Philosophie“ ein Blended Learning Ansatz entwickelt, der sowohl inhaltliches als auch methodisches Wissen vermittelt.

Dem eigentlichen Präsenzseminar vorgeschaltet war dabei eine Onlinephase in Moodle, in der die Studierenden sich in Gruppen auf der Basis vorgegebener Aufgaben einen Text erschließen mussten. Die Aufgaben waren so angelegt, dass sie die einzelnen Schritte widerspiegeln, die bei der wissenschaftlichen Analyse eines theoretischen Textes in der Philosophie durchlaufen werden müssen. Zusätzlich wurde auf ein Social Reading Tool (Nota Bene) zurückgegriffen, um den Studierenden die gemeinsame Bearbeitung und Diskussion direkt am Text zu ermöglichen.

Zu jeder Aufgabe gehörte ein Video, in dem durch den Dozierenden zwei Dinge erläutert wurden: der Umgang mit Nota Bene sowie die Vorgehensweise bei der Texterschließung. Die Studierenden hatten somit durch den Dozierenden ein Modell, anhand dessen sie lernen konnten, wie bei der Textanalyse vorzugehen ist.

Als Textgrundlage wurde ein umfangreiches Werk zur Geschichte der Logik aus dem 19. Jahrhundert gewählt. Diese Grundlage ist eigentlich ungewöhnlich, diente jedoch didaktischen Zwecken. Zum einen erlernten die Studierenden hiermit den Umgang mit umfangreichen Texten, die in ihrer Gesamtheit für einzelne Leser*innen kaum zu bewältigen sind. Der Text wurde daher in einzelne Abschnitte unterteilt, die die Studierenden jeweils in Gruppen bearbeitet haben.

Im anschließenden Präsenzseminar wurden die einzelnen Abschnitte dann wieder zusammengeführt. Zusätzlich erfolgte die bewusste Auseinandersetzung mit veralteter Sekundärliteratur. Die Studierenden waren dadurch quasi gezwungen, die Inhalte kritisch zu hinterfragen. Das Identifizieren von Aussagen, die nach aktuellem wissenschaftlichem Stand nicht mehr haltbar sind, gehörte daher auch zu den Aufgaben. Darauf aufbauend sollten die Studierenden dann selbständig die aktuelle Position zu den kritischen Inhalten der Textgrundlage recherchieren und darstellen.

Die Studierenden arbeiteten während der Onlinephase möglichst selbständig in Moodle. Sie erstellten ein Glossar zentraler Begriffe, um den anderen Gruppen inhaltliche Lernprozesse für die Textabschnitte zu ermöglichen, die diese nicht selbst bearbeiteten.

Zusätzlich waren die Studierenden angehalten, untereinander zu diskutieren und Fragen in der Peergruppe zu klären. Der Dozierende hielt sich dabei weitestgehend zurück und griff nur ein, wenn eine Diskussion oder Lösung sich auf einem völlig falschen Pfad entwickelte.

Für das Präsenzseminar erarbeitete jede Studierende eine Präsentation, in der sie die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsschritte für ihren Textabschnitt zusammenfassten und im Plenum vorstellten.

Wer vielleicht jetzt interessiert daran ist, dass beschriebene Konzept selbst einmal als Studierende*r auszuprobieren: Herr PD Dr. Lemanski plant ein Seminar mit einem ähnlichen didaktischen Ansatz ab dem Wintersemester 2019/20. https://www.fernuni-hagen.de/philosophie/praesenzen/Leibniz.shtml

Hinweis: Bei externen Tools darf die Nutzung für die Studierenden nicht verpflichtend gemacht werden. Im hier beschriebenen Fall konnten sich die Studierenden freiwillig für das Seminar anmelden, die Prüfungsleistung in Form einer Hausarbeit konnte auch ohne Teilnahme am Seminar erbracht werden. Das Seminar ist eines von mehreren Angeboten im Masterstudiengang. Dass ein externes Tool genutzt werden würde, war den Studierenden vor der Anmeldung mitgeteilt worden.

Weitere Informationen

Voraussetzung für die Lehrenden

  • Grundkenntnisse über die Erstellung von Lehrvideos
  • Kenntnisse im Umgang mit der Lernplattform Moodle
  • Text als Grundlage, der zum Einen ausreichend komplex ist und sich zum Anderen in sinnvolle Abschnitte für die Bearbeitung durch die Studierenden unterteilen lässt

Methoden

  • Social Reading
  • Lehrvideos
  • Lernen am Modell
  • Peer Learning
  • Blended Learning

Kontakt

  • PD Dr. Jens Lemanski, Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften, Lehrgebiet Philosophie I: Philosophie mit Schwerpunkt Theoretische Philosophie

Übersicht

Ziele

  • Erwerb fachspezifischer Kompetenzen (Texterschließung, Textanalyse, Textkritik, Recherche) für Masterstudierende
  • Erfahrungen mit dem kollaborativen Arbeiten im Studium erwerben
  • Vernetzung der Studierenden untereinander fördern
  • inhaltlicher Wissenserwerb: Einführung in die Logik und die Geschichte der Logik

Kontext

Präsenzseminar im Modul I „Einführung in die theoretische Philosophie“ des Masterstudiengangs „Philosophie – Philosophie im europäischen Kontext“

Problem

Studierende beginnen den Master Philosophie mit sehr unterschiedlichen Voraussetzungen, weshalb sie auch fachspezifische Methoden auf unterschiedlichen Kompetenzniveaus beherrschen. Sie benötigen diese jedoch, um den Master erfolgreich studieren zu können.
Zusätzlich neigen viele Studierende dazu, zu versuchen, das Studium alleine zu bewältigen. Es hat sich jedoch gezeigt, dass Lerngruppen bzw. der regelmäßige inhaltliche Austausch der Studierenden untereinander für ein erfolgreiches Studium sehr hilfreich ist.

Lösung

  • exemplarisches Durchlaufen der einzelnen Schritte zur Erschließung eines wissenschaftliches philosophischen Textes anhand vorgegebener Aufgaben
  • Lehrvideos, in denen der Dozierende beispielhaft die einzelnen methodischen Schritte vorführt
  • Einsatz eines Social Reading Tools, um gemeinsame Texterschließung und inhaltliche Diskussion zu ermöglichen
  • Peer Learning zur Förderung der Vernetzung der Studierenden und Bildung von Lerngruppen für das Modul, aber auch darüber hinaus

Vorteile

  • Studierende erschließen sich methodisches Wissen parallel zur Erarbeitung inhaltlichen Wissens
  • Aufbereitung der Methode in einzelne Schritte, die mittels konkreter Fragen durchlaufen werden
  • Lernen am Modell durch Lehrvideos mit dem Dozierenden als Experten
  • gemeinsame Online-Diskussion direkt am Text durch Social Reading Tool
  • Aufbereitung der Inhalte für andere Gruppen fördert zusätzlich Verständnis/Auseinandersetzung mit Inhalten
  • Finden von nicht mehr haltbaren Aussagen und Recherche aktuellen wissenschaftlichen Wissensstandes fördert kritische und selbständige Auseinandersetzung mit theoretischen Texten

Nachteile

  • durch Erstellung der Lehrvideos sehr aufwändig bei der ersten Erstellung des Kurses für Dozierende
  • erfordert hohen Zeit- und Arbeitsaufwand bei Studierenden, dadurch auch erhöhte mögliche Gefahr des Drop-Outs

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