Kennen Sie schon… das Inverted Classroom Model?

Das Inverted Classroom Model (ICM) ist ein Lehr-Lernszenario, das in den letzten Jahren einen gewissen Hype erlebt hat. Sowohl in der Schule als auch in der Hochschule wurde das Modell von vielen ausprobiert und über längere Zeit durchgeführt. Ziel ist eine Verlagerung der (frontalen) Inhaltsvermittlung von der Präsenzphase in eine vorgelagerte Selbstlernphase. Die wertvolle Zeit der Präsenzphase kann dann für eine intensivere Beschäftigung mit den vorher vermittelten Inhalten genutzt werden. Eignet sich dieses Format, das an Präsenzhochschulen immer mehr im Kommen ist, auch für die FernUni? Wir laden Sie zum Diskutieren ein!

Die Phasen des ICM
Die drei Phasen des ICM: die vorgelagerte Selbstlernphase, die Schnittstelle zwischen den Phasen und die synchrone Phase

Es kann durchaus argumentiert werden, dass die FernUni ein solches Format bereits seit Anbeginn durchführt. Eine Mischung aus Selbstlernphasen und Präsenzphasen ist im Fernstudium unerlässlich. Das neue am Inverted Classroom findet sich allerdings erst “unter der Haube”. Es geht um eine präzise Abstimmung von Selbstlern- und Präsenzphase mit Hilfe von digitalen Werkzeugen, eine Rollenverschiebung der Rolle der Dozierenden und damit einhergehend eine andere Nutzung der wertvollen Präsenzzeit. In aller Kürze hat Prof. Dr. Christian Spannagel von der Pädagogischen Hochschule Heidelberg das ICM in folgendem Video erklärt (es gibt von ihm aber auch einen langen Vortrag dazu).

Wie können Studierende in der Selbstlernphase aktiviert werden?

Damit das Inverted Classroom Szenario funktionieren kann, ist es zunächst wichtig, dass die Lerninhalte der Selbstlernphase tatsächlich von den Studierenden bearbeitet werden. Schließlich soll die Präsenzphase auf diese Inhalte aufbauen und diese vertiefen. Wenn die Präsenzphase lediglich eine Wiederholung darstellt, werden die Studierenden aufhören, Inhalte selbstständig durchzuarbeiten. Wie also können Studierende in dieser Phase motiviert werden? Dazu wurde einer der Protagonisten des Inverted Classroom in Deutschland, Prof. Dr. Jürgen Handke von der Philipps-Universität Marburg, von wb-web.de befragt (1:37 – 5:17).

Die Transparenz für die Studierenden ist also laut Handke eine zentrale Gelingensvoraussetzung. Studierende müssen genau wissen, wie sie sich vorbereiten sollen, welche Inhalte dafür herangezogen werden und wie sie ihr Wissen selbst überprüfen können. Ein bisschen “Zwang” scheint dabei unerlässlich, egal ob an der Präsenzhochschule oder an der FernUni. Zusätzlich motivierend ist die Art der Aufbereitung der Inhalte. Sobald Inhalte in kleinere Einheiten aufgeteilt werden können, dies also aus wissenschaftlichem und didaktischem Blickwinkel sinnvoll ist, sollte es auch getan werden. Ob dabei Texte, Audiodateien, Videos oder andere interaktive Elemente zum Einsatz kommen, richtet sich nach den Inhalten. Manches kann besser in einem Video, manches besser in einem Text verdeutlicht werden.

Wie können Präsenzphasen sinnvoll genutzt werden?

Wenn die Studierenden die Inhalte durchgearbeitet haben, dann gibt es eine Reihe von neuen Möglichkeiten, wie die Präsenzphase – genauer gesagt: die synchronen Phasen, die im Fall der FernUni ja auch online über Adobe Connect stattfinden könnte – gestaltet werden kann. Athanasios Vassiliou vom Center für Digitale Systeme (CeDiS) an der Freien Universität Berlin und Dr. Malte Persike von der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz stellten die Möglichkeiten auf einer Konferenz des Projekts nexus im letzten Jahr vor (51:19 – 1:11:00).

Dabei ist es wichtig hervorzuheben, dass die vorgestellten Methoden größtenteils sowohl in Präsenz- als auch in synchronen Onlineszenarien eingesetzt werden können. Die beiden Hochschuldidaktik-Workshops “Aktivierende Methoden in der Onlinelehre” und “Aktivierende Methoden in der Präsenzlehre”, die an der FernUni dazu angeboten werden, werden auch im nächsten Jahr einen tiefergehenden Einblick geben, welche Möglichkeiten es gibt.

Ist das nicht ziemlich aufwändig?

Die Erstellung der Materialien für die Selbstlernphase ist sicherlich mit Aufwand verbunden, wenn sie neu erstellt werden sollen und es zum Beispiel keine passgenauen Open Educational Resources gibt. Das kommt aber immer auf die Ansprüche an, die man an die professionelle Anmutung der Materialien stellt. Studioproduktionen sind aufwändiger als ein am Arbeitsplatz erstellter Screencast.

Sind die Materialien allerdings einmal erstellt, können sie immer wieder verwendet werden – jedenfalls bei Inhalten, die sich nicht allzu oft ändern. Der Aufwand für die Präsenzphase ist immer höher, aber meistens auch zufriedenstellender. Studierende erarbeiten sich etwas selbst, das früher einfach “vorgekaut” wurde. Wenn der Anspruch da ist, dass die Studierenden möglichst viel aus der Präsenzphase mitnehmen sollen, ist das ICM ein Szenario, das einen genauen Blick wert ist.


Kommentar IconEin Modell für die FernUni?

Wir laden Sie ein, in den Kommentaren von Ihren Erfahrungen mit diesem Modell oder Ihren Einschätzungen zur Einsetzbarkeit an der FernUni zu erzählen. Haben Sie Ihren Studierenden Materialien zur Verfügung gestellt bevor Sie sich mit ihnen zu einer synchronen Phase getroffen haben? Haben die Studierenden das durchgearbeitet? Welche Methoden haben Sie dann in der synchronen Phase genutzt? War eine Eins-zu-eins-Umsetzung in Ihrem Studiengang überhaupt möglich?

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