Kennen Sie schon… Constructive Alignment?

Jede*r Lehrende kennt das Problem, dass die Studierenden am Ende einer Veranstaltung nicht das mitgenommen haben, was sie eigentlich sollten. Abhilfe kann das Prinzip des Constructive Alignment schaffen, beim dem Lernziele, Lernaktivitäten und Leistungsüberprüfungen aufeinander abgestimmt werden. Dabei geht es vor allem darum, dass den Studierenden transparent gemacht wird, was von ihnen verlangt wird und wozu die Kompetenzen, die sie erlangen sollen, gut sind.

Was ist Constructive Alignment?

Der Begriff Constructive Alignment geht auf den australischen Bildungswissenschaftler John Biggs zurück, der ihn zuerst im Jahr 1995 prägte. Im Grunde bezeichnet Constructive Alignment das Abgleichen von Lehr-/Lernzielen, Lernaktivitäten und Leistungsüberprüfungen.

In constructive alignment, we start with the outcomes we intend students to learn, and align teaching and assessment to those outcomes.
— John Biggs, Constructive Alignment

Wichtig dabei ist, dass das Formulieren von Lernzielen oder englisch “learning outcomes” an erster Stelle kommt. Danach werden die entsprechenden Prüfungen entworfen, die das Erlangen der Kompetenzen verifizieren können. Im dritten Schritt werden dann die Lernaktivitäten ausgewählt, die die Studierenden am besten auf ihrem Weg hin zu den Lernzielen unterstützen.

Die Grafik zeigt diese enge Verzahnung von Lernzielen, Lernaktivitäten und Leistungsüberprüfung.

Diagramm Constructive Alignment mit Lernzielen, Lernaktivitäten und Leistungsüberprüfung
Grafik: FernUniversität

1. Schritt: Lernziele formulieren

Lehrende sollen im ersten Schritt festlegen, was Lernende am Ende eines Lernprozesses an Wissen und vor allem Kompetenzen hinzugewonnen haben sollen. Dabei orientieren sie sich idealerweise an Lernzieltaxonomien, wie der von Bloom oder von Anderson und Krathwohl. Die Lernziele werden idealerweise so formuliert, dass Studienden transparent gemacht wird, was von ihnen verlangt wird und warum es von ihnen verlangt wird.

Hinweise darauf, was bei der Formulierung von Lernzielen beachtet werden muss, finden sich in dem Beitrag zu Lehrzieltaxonomien.

2. Schritt: Leistungsüberprüfung mit den Lernzielen abgleichen

Bei der Leistungsüberprüfung ist darauf zu achten, dass die gewählten Methoden der Überprüfung sowohl inhaltlich als auch im Sinne des Formats der Prüfung zu den vorher festgelegten Lehr-/Lernziele passen. Vereinfacht gesagt können komplexe Handlungsabläufe, die unterschiedliche Kompetenzen in den Lernenden voraussetzen, nur schwer in Multiple-Choice-Fragen abgebildet werden. Andererseits bieten sich solche Fragen jedoch an, wenn es um die Abfrage von Faktenwissen geht. Gleiches gilt übrigens auch für die Lernaktivitäten, deren Konzeption den letzten Schritt im Constructive Alignment darstellt.

3. Schritt: Passende Lernaktivitäten konzipieren und erstellen

Schließlich können zu den Lernaktivitäten in folgendem Video mit dem Thema “Lernaufgaben” Ideen gefunden werden:

    Wie fange ich’s an? Z. B. mit dem ELP

    Zur Formulierung von Lehr-/Lernzielen finden sich im Web viele Tipps, z. B. auf der Seite “Lernziele formulieren leicht gemacht” von wb-web.de. Spannender wird es, wenn die Schritte 2 und 3 auf der Agenda stehen. Ein hilfreiches Werkzeug dafür ist der Elektronische Lehrveranstaltungsplaner, der an der Uni Wuppertal entwickelt wird. Bei diesem Tool können ganze Lehrveranstaltungen nach dem Konzept des Constructive Alignments geplant werden. Enthalten sind unterschiedliche Unterstützungselemente wie die gängigen Lernziel-Taxonomien, ein Glossar mit Lehr-/Lernmethoden oder eine Möglichkeit zur Reflexion der Lehrveranstaltung. Das Tool wird in einem Educast detailliert vorgestellt: Kompetenzorientiert Lehre planen mit der eLP-Applikation.

    Kritik

    Diese Verfahrensweise hat eine Reihe von Vorteilen für Lehrende und Studierende, birgt aber auch Gefahren. Durch Constructive Alignment soll sichergestellt werden, dass Studierenden von Anfang transparent gemacht wird, was von ihnen in Prüfungen verlangt wird und wie sie zu diesem Ziel gelangen können. Genau darin besteht aber eben auch die Gefahr: Durch den Ansatz tendieren Institutionen wieder dazu, Lernen behavioristisch zu machen, Lernende lernen also wieder nur das, was für die Prüfung relevant ist. Sicherlich ist dies nicht das Ziel, das Biggs und mit ihm viele Verfechter des Constructive Alignments im Sinn hatten.

    Im Fokus steht, was Studierende erreichen sollen und was sie zu tun haben, um den geforderten Standard zu erlangen; die Prüfung mit Kriterien, abgeleitet vom Standard, zeigen, ob das gelingt. Nun klingt das Adjektiv “lernendenzentriert” zunächst nach dem Shift vom Teaching to Learning. Kombiniert mit der Orientierung an vorgebebenen Ergebnissen aber hat das mit Selbstorganisation im Sinne von freien Entscheidungen nichts zu tun. Im Zentrum steht hier nicht der Lernende als Subjekt mit seinem Willen; vielmehr ist es nur ein kleiner Schritt zum Lernenden als Objekt von Interventionen.
    — Gabi Reinmann, Shift from Teaching to Learning und Constructive Alignment: Zwei hochschuldidaktische Prinzipien auf dem Prüfstand

    Durch die von Biggs geforderte stärkere Verantwortung der Institutionen für den Ablauf der Lehre besteht laut Reinmann zudem die Gefahr, dass sich Lehrende stärker noch als bisher schon aus der Verantwortung für didaktische Entscheidungen ziehen. Die vorgebene Struktur scheint dies obsolet zu machen.

    Fazit

    Trotz aller berechtigten Kritik am Ansatz des Constructive Alignments: Es bietet Lehrenden einen Anhaltspunkt, die eigene Lehrveranstaltung so zu planen, dass Studierende idealerweise jederzeit im Blick haben, was von ihnen verlangt wird. Dabei können auch die höheren Stufen der Lernzieltaxonomien im Vordergrund stehen.

    Literatur und Links

    Das Thema “Constructive Alignment” bei anderen hochschuldidaktischen Institution:

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