Kennen Sie schon… Blended Learning?

Blended Learning bezeichnet allgemein alle Mischformen von Präsenz- und Onlinelehre und ist das Lehr-/Lernkonzept, das an der FernUni überall eingesetzt wird. Es ist ein Begriff, der viele unterschiedliche Konzepte zusammenfasst. Wir erklären, welche Abstufungen es gibt und welche Merkmale sie auszeichnen.

Wenn von Blended Learning gesprochen wird, ist zunächst einmal klar, dass persönliche Treffen und Online-Angebote miteinander vermischt werden. An Präsenzhochschulen meint dies die Präsenztreffen in Seminarräumen oder Hörsälen und die Bereitstellung von Lernmaterialien über eine Lernplattform. Zunächst einmal ist dabei nicht genau definiert, wie die Präsenztreffen und wie die Online-Lernumgebung ausgestaltet sind. Damit das Blended Learning Konzept der FernUni auch mit bedacht werden kann, sprechen wir lieber von synchronen und asynchronen Phasen. Die folgende Tabelle fasst zusammen, wie sich die beiden Definitionen unterscheiden. Sie werden sehen, dass die Unterschiede nur im Detail liegen, auf diese Weise aber auch die Fernlehre mit abgedeckt werden kann.

Tabelle 1: Vergleich zwischen herkömmlicher und erweiterter Definition von Blended Learning
Herkömmliche Definition Erweiterte Definition
  • Präsenzphase
    • Lehrveranstaltungsformate in realen Räumen
    • realer Raum und Zeit fest
    • direkte Interaktion
    • soziales Lernen
  • synchrone Phasen
    • Lehrveranstaltungsformate in realen und/oder virtuellen Räumen
    • realer und/oder virtueller Raum und Zeit fest
    • medial vermittelte Interaktion
    • soziales Lernen
  • Online-Phase
    • Lernumgebung
    • digitale Medien
    • soziales Lernen
    • Selbstlernphasen
  • asynchrone Phasen
    • Lernumgebung
    • digitale Medien
    • soziales Lernen
    • Selbstlernphasen

Blended Learning Formen

Zwar gibt es keine “offizielle” Einteilung von unterschiedlichen Blended Learning Formen. Dazu gibt es einfach zu viele einzelne Ansätze. Allerdings können Tendenzen festgemacht werden, wenn die Verknüpfung von synchronen und asynchronen Phasen genauer betrachtet wird.

Locker: Asynchrone Anteile, wenn sie gebraucht werden

Die einfachste und auch schnell umsetzbare Variante ist die Einbettung von einzelnen synchronen Phasen (rot) in eine bestehende Lehrveranstaltung (mit synchronen Phasen in grün) nach Bedarf. Eventuell gibt es in der Lehrveranstaltung Inhalte, die sich dazu anbieten, in einer Online-Phase noch einmal vertieft zu werden, z. B. durch Lehrvideos, Übungen oder Selbsttests. Dann bietet es sich an, weitere Materialien in einer Lernplattform zum individuellen Arbeiten für die Studierenden bereitzustellen. In der Illustration ist nur eine Online-Phase eingefügt worden, natürlich können dies aber auch mehrere sein. In der Regel gibt es bei dieser lockeren Variante des Blended Learnings nur eine inhaltliche Verknüpfung zwischen synchronen und asynchronen Phasen. Das Durcharbeiten der Online-Inhalte geschieht meist auf freiwilliger Basis, was darin resultieren kann, dass nur ein geringer Anteil der Studierenden die Materialien bearbeitet. Daher ist in der Illustration keine Verbindung zwischen den Phasen eingefügt worden. Die Bezeichnungen sind hier beispielhaft benutzt. Inhaltsvermittlungs- und Inhaltsvertiefungsphasen können auch anders miteinander kombiniert werden.

Blended Learning, lockere Variante
Blended Learning in einer lockeren Variante mit eingefügten asynchronen Phasen bei Bedarf, Grafik: FernUniversität

Medium: Getaktete Szenarien mit Selbstlerntests

Gerade in der Fernlehre fordern Studierende oft klare Vorgaben ein, nicht nur in Bezug auf die Inhalte, sondern auch auf die zeitliche Taktung. Wenn es sich dabei anbietet, zu jedem inhaltlichen Block synchrone und asynchrone Phasen zur Verfügung zu stellen, können diese zeitlich (z. B. im Zwei-Wochen-Rhythmus) getaktet werden. Als Beispiel ist in der Illustration die synchrone Phase (grün) der Inhaltsvermittlung gewidmet und die asynchrone Phase (rot) der Inhaltsvertiefung inklusive eines regelmäßigen Selbsttests, der sich auf beide Phasen bezieht. Der graue Pfeil zwischen den beiden Phasen soll verdeutlichen, dass die Inhaltsvermittlung mit der -vertiefung verknüpft ist, aber hier noch keine Verpflichtung besteht. Studierenden können als die asynchronen Phasen nutzen, um Inhalte zu vertiefen, bei denen sie in der synchronen Phase noch Nachholbedarf sahen. Dieses Modell entspricht am ehesten der klassischen Aufteilung in Vorlesung und begleitendem Tutorium oder ähnlichem an Präsenzhochschulschulen. Durch die Taktung und damit verbundene Gewöhnung an die Tatsache, dass zu jedem Inhalt beide Phasen bereitstehen, werden Studierende eher dazu gebracht, alle Angebote wahrzunehmen. Eine Garantie dafür ist dieses Modell aber sicherlich nicht.

Blended Learning: zeitliche Taktung
Blended Learning Variante mit wechselnden Phasen in zeitlicher Taktung, Grafik: FernUniversität

Strikt: Inverted Classroom Model

Im Inverted Classroom Model werden die Phasen zur Inhaltsvermittlung und -vertiefung vertauscht. Strikt ist dieses Modell insofern, als dass neben der exakten zeitlichen Taktung auch das Absolvieren der Testkomponenten in der asynchronen Phase verpflichtend ist (in der Illustration mit blauen Pfeilen verdeutlicht). Dieses manchmal auch Inverted Classroom Mastery Model genannte Konzept soll garantieren, dass sich die Studierenden mit den Inhalten beschäftigt haben, bevor sie in die synchrone Phase kommen. So kann einigermaßen sichergestellt werden, dass alle Teilnehmenden den gleichen Stand haben, bzw. dass Fragen, die bei der Inhaltsvermittlung aufgetaucht sind, zu Beginn der synchronen Phase geklärt werden können. Generell sollte beim Inverted Classroom Model jedoch die Wiederholung der Inhalte aus den asynchronen Phasen vermieden werden. Zum Inverted Classroom Model gibt es viele gute Videos, die sich zur Vertiefung lohnen (z. B. von Jürgen Handke, Jörn Loviscach und Christian Spannagel).

Blended Learning: Inverted Classroom
Das Inverted Classroom Model mit einer engen Verbindung von synchronen und asynchronen Phasen, Grafik: FernUniversität

Fazit: Analyse von Zielgruppe und Inhalten unerlässlich

Der Einsatz von Blended Learning ist von zwei zentralen Faktoren abhängig, wie der Einsatz aller didaktischen Konzepte generell: einer Inhalts- und einer Zielgruppenanalyse. Erst wenn festgestellt wird, dass die Inhalte sich zur Aufbereitung für asynchrone und synchrone Phasen eignen, dass sie sich für unterschiedliche Lehrmaterialien eignen und dass sie sinnigerweise mit vertiefenden Übungen angereichert werden können, ist ein Blended Learning Konzept gewinnbringend. Bei genauer Betrachtung kann allerdings festgestellt werden, dass es kaum Inhalte gibt, für die dies nicht gilt.

Ähnlich verhält es sich mit der Zielgruppe. Viele Faktoren einer Zielgruppenanalyse müssen berücksichtigt werden, wenn entschieden werden soll, ob Blended Learning gewinnbringend ist. In der Fernlehre ist dies aufgrund der heterogenen Zielgruppe jedoch oft ein Selbstläufer, da sehr viel genauer auf individuelle Bedürfnisse eingegangen werden kann. Daher sind Blended Learning Konzepte in ihren unterschiedlichen Ausprägungen überall in der FernUni anzutreffen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.