Interview zu den „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre NRW“

Das Programm „Fellowships für Innovationen in der digitalen Hochschullehre NRW“ wurde vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen und dem Stifterverband aufgesetzt, um „Anreize für die Entwicklung und Erprobung digital gestützter Lehr- und Prüfungsformate oder die Neugestaltung von Modulen und Studienabschnitten unter konsequenter Nutzung digitaler Technologien zu schaffen“. Im vergangenen Jahr gingen zwei Fellowships an die FernUniversität. Aktuell läuft bis zum 12. Juli die Bewerbungsfrist für die nächste Runde. Deshalb haben wir die beiden Fellows Dr. Julia Breittruck und Jana Viola Frings zu ihren Projekten befragt.

e-KOO: Wie sind Sie auf das Fellowship Programm aufmerksam geworden und mit welcher Projektidee haben Sie sich beworben?

Dr. Julia Breittruck
Dr. Julia Breittruck Foto: FernUniversität

Dr. Julia Breittruck: Uns war schon relativ früh bei der Planung der Kurseinheiten in dem neuen Masterstudiengang „Geschichte Europas“ klar, dass wir vor allem die Studierenden stärker einbinden und dafür die technischen Möglichkeiten nutzen wollten. Unser Innovationsprojekt sieht nun vor, dass wir den Arbeitsprozess mit historischem Kartenmaterial für die Studierenden komplett digitalisieren. Bei den Vorarbeiten zu dem Kurs sind wir auf das Fellowship Programm aufmerksam geworden. Es passt perfekt zu unserem Projekt und wir können mit den anderen Fellows in Kontakt treten.

Jana Viola Frings
Jana Viola Frings Foto: FernUniversität

Jana Viola Frings: Bei uns war es so, dass es an unserem Lehrgebiet bereits die Idee gab, ein Lehrvideoverzeichnis aus dem Bereich der Bildungswissenschaften aufzubauen. Da war nur noch die Frage, wie können wir dieses Projekt umsetzen und finanzieren. Im April 2018 bin ich neu ans Lehrgebiet gekommen. Ich kam aus dem Bereich Medienpädagogik und Mediendidaktik und war direkt von dem Projekt begeistert. Ich habe nach verschiedenen Fördermöglichkeiten recherchiert und bin so auf das Fellowship Programm gestoßen. Da die Ausrichtung der Ausschreibung sowohl zeitlich als auch thematisch sehr gut zu unserer Grundidee passte, habe ich mich dort beworben.

Die Idee zu dem Projekt ist daraus entstanden, dass es in den Bildungs- und Erziehungswissenschaften eine große Vielfalt an verschiedenen Forschungsfeldern gibt. Das stellt uns Lehrende und auch die Studierenden vor die große Herausforderung, die Vielfalt der Forschungsfelder vorzustellen und zu bearbeiten. Daher ist uns die Idee gekommen, dass es zielführend sein könnte, dass die Studierenden die verschiedenen Felder sowie die Expertinnen und Experten nicht nur aus den wissenschaftlichen Texten kennenlernen, sondern auch im Videoformat.

Dr. Julia Breittruck: In unserem Lehrgebiet „Geschichte und Gegenwart Alteuropas“ haben wir einen Forschungsschwerpunkt zu historischen Karten. Wir haben dadurch schon sehr viele Kontakte zu Bibliotheken und Archiven und können so an viel Material kommen. Allerdings liegen diese sensiblen historischen Karten verstreut an unterschiedlichen Stellen und sie müssen vor schädlichen Umwelteinflüssen wie z. B. Licht geschützt werden. Wenn diese Karten nun erforscht und vermittelt werden sollen, müssen diese Herausforderungen gemeistert werden. Hier bietet die Digitalisierung den großen Vorteil, dass die Karten digital nebeneinandergelegt, beleuchtet, markiert und mit Anmerkungen versehen werden können. Genau das möchte unser Projekt realisieren.

e-KOO: Was ist das Ziel und wie ist der momentane Status Ihrer Fellowships?

Jana Viola Frings: Das Projekt heißt „Meet and Read Experts“ und wie der Name bereits vermuten lässt, basiert es auf einem intermedialen Ansatz, bei dem die Verbindung von Texten und Lehrvideos im Vordergrund steht. Hierbei ist das übergeordnete Ziel, ein Lehrvideoverzeichnis zu entwickeln, dass sich aus einheitlich gestalteten Interviews zusammensetzt. Wir haben bereits 13 Interviews in ganz Deutschland führen können. Technisch werde ich dabei von zwei Mitarbeitern des ZMI unterstützt, die Kamera, Ton und Schnitt übernehmen. Es sind noch viele weitere Interviews geplant. Z. B. fahren wir nächste Woche nach Berlin und führen Interviews zu den Themen Bildungsprozessforschung und Wohlfahrtssystemforschung. Demnächst steht dann der Relaunch der Website an, auf der das Videoverzeichnis mit zusätzlichen Informationen zu den Expertinnen und Experten erreichbar ist. Darüber hinaus ist geplant, das Angebot in der Präsenzlehre an der TU Dresden zu erproben und zu evaluieren. Wir hoffen natürlich, dass auch nach Ende der Förderungszeit am Ende des Jahres eine Möglichkeit besteht, das Angebot weiter zu betreiben und auszubauen, denn es gibt viele spannende Themenfelder und Interviewpartner, die bislang noch nicht berücksichtigt werden konnten.

Dr. Julia Breittruck: Zum Status unseres Projekts kann ich sagen, dass wir eine Probephase mit einem Moodle-basiertem Kurs durchgeführt haben. Für die Anwendung des neuen Programms laufen jetzt gerade die technischen Vorarbeiten. Der Start ist dann für September geplant. Wir möchten mit der Software Digital Mappa arbeiten, die in den USA entwickelt wird.

e-KOO: Es ist geplant, die Ergebnisse der Fellowships im kommenden Onlineportal für Studium und Lehre heureka.nrw unter Creative Commons Lizenz zu veröffentlichen. Wie stehen Sie generell zu Open Educational Resources (OER)?

Dr. Julia Breittruck: Genau, so ist das geplant, es muss aber noch datenschutz- und lizenzrechtlich geklärt werden. Da ist unter andrem wichtig, dass die Verstetigung technisch und personell gewährleistet ist. Das heißt, es braucht jemanden, der unsere Software und die Inhalte langfristig am Laufen hält, sodass wir mehrere Jahre die Lehre damit bestreiten können. Auch darauf arbeiten wir gemeinsam mit dem ZMI hin.

Jana Viola Frings: Natürlich ist das Ziel, möglichst vielen Menschen den Zugang zu den Projektergebnissen zu ermöglichen. Es gibt aber noch einige Punkte, die bei OER berücksichtigt werden müssen. Zum einen ist da die Frage, wie das Portal gepflegt und bereut werden soll. Außerdem gibt es einige Projekte, die nicht ohne weiteres CC-Lizenzen umsetzen können, denn gerade bei Lehrprojekt sind wir auf Texte, Zeichnungen, Schaubilder usw., die selbst unter Lizenzen stehen, angewiesen. Dadurch haben wir uns entschieden die Videos in einem Lehrportal einzubetten, das am ZeBOHagen angesiedelt ist. Das soll gewährleisten, dass wir jederzeit die Informationen ergänzen und gegebenenfalls auch revidieren können. Zusätzlich sollen dort dann auch jederzeit neue Videos eingebaut werden. Das Videoverzeichnis soll aber trotzdem für alle abrufbar sein. Texte werden grundsätzlich nur verlinkt, sofern sie online zugänglich sind. Bei allen anderen gibt es einen Literaturhinweis.

e-KOO: Wodurch zeichnet sich das Fellowship Programm sonst noch aus?

Jana Viola Frings: Es finden regelmäßig Fellow-Treffen statt, das nächste in Essen. Ich finde, als junge Wissenschaftlerin kann ich viel vom Austausch profitieren. Es ist eine sehr große Bereicherung, sich mit Kolleginnen und Kollegen darüber auszutauschen, wie die digitale Hochschullehre weiterentwickelt werden kann und welche Innovationen und Ideen es gibt. Es ist eine gute Möglichkeit, sich neben der Lehre mit dem Ausbau von Projekten zu beschäftigen.

e-KOO: Haben Sie Tipps für die Bewerbung für die Fellowships?

Dr. Julia Breittruck: Meine Erfahrung ist, dass eine gute Vorbereitung sehr wichtig ist. Sowohl die Inhalte, als auch die Didaktik und die Zusammenarbeit mit dem ZMI bedürfen alle einer guten Vorbereitung. So hat es dann auch geklappt bei uns.

Jana Viola Frings: Ich finde es unheimlich wichtig, dass man authentisch bleibt. Dazu gehört, realistische Zielsetzungen zu haben, aber auch eine eigene Identifikation mit dem Projekt. Wenn ich selbst von meiner Projektidee begeistert bin, habe ich erst die Möglichkeit andere davon zu überzeugen. Allen Interessierten würde ich empfehlen, die geförderten Projekte und die entsprechenden Bewerbungsunterlagen auf der Homepage des Stifterverbandes anzuschauen. Der Austausch mit bereits erfolgreichen Kolleginnen und Kollegen kann natürlich auch nicht schaden.

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