Innovative Lehrprojekte – Interview mit Dr. Markus Tausendpfund

Markus Tausendpfund
Foto: FernUniversität

In der Reihe „Innovative Lehrprojekte“ stellen wir die Projekte vor, die im Rahmen der Zertifikatsprogramme HD-NRW und E-Teaching-Zertifikat entstanden sind. Diesmal mit Markus Tausendpfund von der Arbeitsstelle „Quantitative Methoden“ der Fakultät für Kultur- und Sozialwissenschaften. Im Rahmen seines Projekts hat er Videos und Übungsmaterial zur logistischen Regression erstellt, die das schriftliche Studienmaterial ergänzen sollen. Wir haben ihn zu seinem Projekt befragt.

Wie bist du auf die Idee zu deinem Projekt gekommen?

Im Modul „Quantitative Methoden der Sozialwissenschaften“ lernen die Studierenden wichtige statistische Analyseverfahren kennen. Dazu gehören unter anderem die lineare und logistische Regression, die es erlaubt, den Einfluss einer oder mehrerer unabhängigen Variablen auf eine abhängige Variable zu schätzen. Typische Fragestellungen sind etwa die individuellen Bestimmungsfaktoren des Einkommens oder der Wahlbeteiligung.

Zwar werden beide Analyseverfahren im Studienmaterial ausführlich behandelt, aber Videos können das Studienmaterial sinnvoll ergänzen und die Auseinandersetzung mit den Inhalten fördern. Dies gilt insbesondere für die logistische Regression, die im Vergleich zur linearen Regression von vielen Studierenden als schwieriger wahrgenommen wird.

Welche Überlegungen lagen der Umsetzung des Projekts zugrunde?

Zu einem früheren Zeitpunkt hatte ich bereits Videos zur linearen Regression produziert, sodass Videos zur logistischen Regression eine sinnvolle Ergänzung waren. Analog zu den Videos zur linearen Regression wurden mehrere Videos erstellt, die jeweils 10 bis 15 Minuten dauern. Das große Thema „Logistische Regression“ wurde dabei in kleinere Sinnabschnitte unterteilt, die aber jeweils abgeschlossen waren. Ein besonderer Schwerpunkt lag dabei auf der sachgerechten Interpretation der Ergebnisse einer logistischen Regression.

Neben dem Videomaterial wurden ergänzend neue Übungsaufgaben erstellt, die als Tests in die Moodle-Lernumgebung oder über die Anwendung H5P direkt in die Videos eingebunden wurden. Eine größere Übungsaufgabe behandelte die Schätzung einer logistischen Regression mit dem Statistikprogramm SPSS. So konnten die Studierenden die neuen Kenntnisse auch gleich in der Praxis vertiefen.

Welche Herausforderungen sind dir während der Planung und der Durchführung begegnet?

Die Videos wurden mit dem Programm Camtasia erstellt. Die Einarbeitung in Camtasia hat natürlich Zeit gekostet, aber diese Zeit hat sich gelohnt.

Die Vorbereitung und die Erstellung der Präsentationen haben allerdings deutlich mehr Zeit gekostet als ursprünglich veranschlagt. Für einige Videos wurden zu Anschauungszwecken fiktive Datensätze erstellt, für das Praxisbeispiel musste ein echter Datensatz aufbereitet werden.

Bei der Produktion der Videos gab es dann keine größeren Schwierigkeiten. Allerdings ist es etwas bedauerlich, dass nicht alle Möglichkeiten, die Camtasia bietet, auch genutzt werden können. Mit Camtasia können beispielsweise Quizze direkt erstellt werden. Allerdings wird das Format dann nicht im Moodle der FernUniversität unterstützt. Auch konnten bisher keine Untertitel in die Videos integriert werden (was aber mittlerweile durch die Digitalen Medien Services angeboten wird – Anm. e-KOO).

Eine Herausforderung sind auch die größeren Datenmengen. Während ein Studienbrief meist wenige Megabyte groß ist, sind 70 bis 80 Megabyte je Video keine Seltenheit. Das kostet natürlich Speicherplatz.

Wie war die Reaktion der Studierenden?

Die Reaktionen der Studierenden auf das Videomaterial sind sehr positiv. In der durchgeführten Evaluation haben die Studierenden einerseits den Einsatz von Videos in der Lehre als sinnvoll bewertet und andererseits haben die produzierten Videos auch zum Verständnis der Lehrinhalte beigetragen. Auch die entwickelten Übungsaufgaben wurden von den Studierenden als (sehr) sinnvoll bewertet. Dabei zeigte sich auch, dass die Mehrheit der Studierenden sowohl Übungsaufgaben in den Videos als auch in der Moodle-Lernumgebung wünscht.

Für mich erfreulich war auch, dass die meisten Studierenden das Videomaterial nicht als Ersatz für das schriftliche Studienmaterial betrachten. Die Videos sollen das schriftliche Studienmaterial zur logistischen Regression ergänzen, sie können die Auseinandersetzung mit dem Studienmaterial aber natürlich nicht ersetzen. Für das umfassende Verständnis der logistischen Regression ist auch weiterhin die Auseinandersetzung mit dem Studienmaterial erforderlich und idealerweise auch die Arbeit mit einem Statistikprogramm. Aber die Videos können dazu beitragen, dass diese Auseinandersetzung leichter fällt.

Was planst du noch für die Zukunft im Zusammenhang mit dem Projekt?

Im Modul M1 sind Videos mittlerweile ein fester Bestandteil, die das schriftliche Studienmaterial sinnvoll ergänzen. Neben der Erstellung neuer Videos müssen die bereits erstellten Videos auch aktualisiert werden. Wichtig wäre dabei die Integration von Untertiteln in die Videos.

Künftig sollen Videos und das schriftliche Studienmaterial noch besser verzahnt werden. Eine Möglichkeit könnte die Einbindung von QR-Codes in das schriftliche Studienmaterial sein. Allerdings ist dies auch mit Problemen behaftet. Der QR-Code verweist auf das Video, das auf dem Server abgelegt ist. Falls mit H5P aber zusätzliche Inhalte zum Video in die Moodle-Lernumgebung eingepflegt wurden, dann werden diese Inhalte nicht abgerufen.

Wie hat sich die Teilnahme an den Workshops des Zertifikatsprogramms auf dein Projekt ausgewirkt?

Sehr nützlich war der Selbstlernkurs „Einführung in Camtasia“, der auf der offenen Lernplattform von Alexander Sperl angeboten wird. Sehr inspirierend war auch die Veranstaltung „Spielerisch Lernen in Moodle“, um mehr über Gamification zu erfahren. Bei Moodle-Tests können die Studierenden mittlerweile „Badges“ erwerben. Das sind Abzeichen, die digital vergeben werden. Schließlich war natürlich auch der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sehr hilfreich, um Ideen zu diskutieren oder Praxisbeispiele kennenzulernen. Der Austausch über unterschiedliche Ansätze habe ich als sehr inspirierend erlebt, auch wenn natürlich nicht alle Ideen in allen Kontexten umsetzbar sind.

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