eduScrum® – ein methodischer Ansatz für die Fernlehre?

Scrum hat der eine oder die andere vielleicht schon mal gehört. Es handelt sich dabei um „[ein] Rahmenwerk, innerhalb dessen Menschen komplexe adaptive Aufgabenstellungen angehen können, und durch das sie in die Lage versetzt werden, produktiv und kreativ Produkte mit höchstmöglichem Wert auszuliefern.“ (vgl. Scrum Guide, S. 3). Verbreitet ist Scrum vor allem in der IT-Welt, die es bei der Umsetzung von Projekten einsetzt. Transparenz, Überprüfung und Anpassung bilden dabei die grundlegenden Prinzipien. eduScrum®, erfunden von dem niederländischem Lehrer Willy Wijnands, nimmt dieses Rahmenwerk auf und überträgt es auf Lernprozesse.

Worin liegt die Kernidee von eduScrum®?

Wecker als Symbol für Timeboxing als wesentliches Scrum-Element
Timeboxing als wesentliches Scrum-Element (Foto: FernUniversität)

Kleine Lernteams bearbeiten gemeinsam komplexe Aufgaben innerhalb eines festen Rhythmus. Der Rhythmus, sogenannte Sprints, wird dabei vorgegeben. Die Lehrperson definiert das (finale) Lehrziel, den Lernweg wählen die Lernenden eigenständig. Die Lernenden stehen dabei im Fokus des Ansatzes. Eigenverantwortliches Lernen wird betont und damit die intrinsische Motivation der Lernenden gefördert.

Wie bei Scrum gibt es unterschiedliche Rollen:

  • ein Product Owner, in der Regel die Lehrperson, die das Lehrziel vorgibt,
  • ein eduScrum® Master, ein Mitglied des eduScrum®-Teams, welches das methodische Vorgehen im Blick behält und
  • das eduScrum®-Team, das heißt ein kleines Lernteam, welches möglichst heterogen zusammengesetzt ist.

Darüber hinaus werden bestimmte Methoden eingesetzt, die alle eine vorher definierte zeitliche Beschränkung haben, damit die einzelnen Prozesse schlank gehalten werden. Im Folgenden haben wir die Zeitboxen so angegeben, wie sie aus unserer Sicht an der FernUni sinnvoll sein könnten:

  • Kurze Stand-ups dienen der Planung des weiteren Vorgehens; z.B. 5-15 Minuten.
  • Sprints geben den Zeitraum für die Bearbeitung eines Teilziels vor; z.B. 2-4 Wochen.
  • Reviews und Retrospektiven dienen dem Rückblick auf das Ergebnis und die Zusammenarbeit im Team; z.B. 1-2 Stunden.

Ferner setzt sich das Rahmenwerk aus Artefakten, wie z.B. dem sogenannten Backlog, und fest definierten Regeln zusammen. Ausführliche Infos können im eduScrum® Guide nachgelesen werden.

Wozu eignet sich eduScrum®?

eduScrum® wurde in den Niederlanden von zertifizierten Scrum Coaches für den Schulunterricht entwickelt, um unter anderem die Selbstorganisation von Schüler/innen zu fördern. Mittlerweile haben auch Hochschulen das Konzept für sich entdeckt und erprobt (siehe weitere Informationen). Ähnlich dem Problembasierten Lernen eignet es sich für die Bearbeitung und Lösung komplexer Probleme und fördert die Zusammenarbeit in Teams, die in der Berufswelt immer stärker eingefordert wird.

Wie lässt eduScrum® sich an der FernUni einsetzen?

Offiziell darf von eduScrum® zwar nur gesprochen werden, wenn alle Elemente des Rahmenwerkes berücksichtigt werden. Das hält uns aber nicht davon ab, einige Elemente auszuwählen und erste Ideen für die Umsetzung an der FernUni zu entwickeln.

  • Die Zusammensetzung von interdisziplinären Teams greift die Vielfalt der Fernstudierenden auf. Das vorhandene Potential kann so gewinnbringend in den Lernprozess eingebracht werden.
  • Das Prinzip des „Time Boxings“ bietet eine feste, zeitliche Struktur an, die einerseits ein „Verzetteln“ verhindert und somit andererseits dazu beiträgt, den Überblick zu wahren. Transparente Zeitpläne, wie etwas jeden 1. und 3. Montag, 19:00-19:15 Stand up – Meeting, bieten die nötige Orientierung.
  • Medial eignet sich eine Mischung aus synchronen und asynchronen Tools. Adobe Connect könnte von den eduScrum®-Teams für die Stand ups als auch die abschließenden Reviews und Retrospektiven genutzt werden. Für die Aufgabenbearbeitung während der Sprints eignen sich hingegen eher asynchrone Medien wie etwa einzelne Moodle-Funktionen, Wikis oder sonstige kollaborative Anwendungen.
  • Darüber hinaus können von den Studierenden weitere externe Dienste, wie etwa Trello oder Meistertask, freiwillig genutzt werden, um die Aufgabenbearbeitung zu organisieren und im Blick zu behalten.
Analoges Kanban-Board
Analoges Kanban-Board (Foto: FernUniversität)

Weitere Informationen


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