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Digitalisierung der Praxisphase im Studium – Das Online-Praktikum im Lehrgebiet Mediendidaktik.

Digitalisierung der Praxisphase im Studium – Das Online-Praktikum im Lehrgebiet Mediendidaktik.

von Anke Maywald und Barbara Hirzmann

Technische Voraussetzungen

LMS Moodle, Trello, Adobe Connect, H5P

Vorbereitung

3-4 Wochen

Anzahl Studierende

max. 20

Beratung

Cathrin Vogel (Modulverantwortliche)

Kontakt

Anke Maywald, Barbara Hirzmann, LG Mediendidaktik

Beschreibung

Die Idee

Die Idee hierzu entsprang der im Verlauf des Moduls 3B im Bachelorstudiengang Bildungswissenschaft (Management und Durchführung einer Projektarbeit) erhaltenen Rückmeldung, dass viele Studierende Schwierigkeiten hatten, das obligatorische Praktikum in Präsenz zu absolvieren. Die Gründe hierfür lagen vor allem im beruflichen, familiären und/oder gesundheitlichen Bereich. Das Projekt Online-Praktikum (OP) bietet diesen Studierenden eine digitale Praktikumsalternative, die sowohl an Lehrgebieten der FernUniversität, aber auch bei beteiligten Unternehmen und Organisationen absolviert werden kann.

Zielgruppe , Ziele und didaktisches Design

Die Verlaufszahlen der Studierendenstatistik liefern einen Anhaltspunkt über die Höhe des potentiellen Bedarfs für ein digitales Praktikumsangebot im Bachelor BiWi: Studierende mit gesundheitlichen Einschränkungen stellen insgesamt 20 % der Gesamtstudierendenzahl der FernUni Hagen (bei 3.735 im SS 20 eingeschriebenen Studierenden sind dies 747 pro Semester), die Zahl der Berufstätigen liegt bei sogar 78 % (2.913) und 9 % (336) der Studierenden haben ihren Wohnsitz im Ausland (FernUni Hagen, Studierendenzahlen, WS 2018/19). Der potentielle Bedarf liegt bei 3.996 Studierenden, an die sich das Angebot richtet.

Der Praktikumscharakter wird durch eine Kombination aus praxisrelevanten Projektaufgaben und Praktikums-betreuungen aus Wissenschaft und Praxis erreicht. Die Projektaufgaben generieren sich einerseits in Form von bildungswissenschaftlichen Projektaufgaben aus Lehrgebieten der FernUni. Andererseits garantieren externe Praktikumsgeber aus Feldern der Erwachsenenbildung erste praktische Arbeitserfahrung. Der für Präsenzpraktika typische „Blick über die Schulter“ des Praxisanleitenden „passiert“ hier digital.

Das Lernparadigma, dem das Projekt folgt, ist das des forschenden Lernens nach dem Design-Based-Research-Ansatz nach Reeves, 2006.

Technische Umsetzung und Kommunikation

Um einem analogen Praktikum bestmöglichst zu entsprechen, wurde in Moodle innerhalb des Praktikumsmoduls 3B für das OP eine eigene Moodle-Umgebung geschaffen, in der für jedes Projekt  120 Praktikumsstunden zu investieren sind. Sie ist nach den Kategorien „Praktikumsprojekte“,  „Praktikumsbedingungen“,  „Bewerbungsportal“, „Infos zur Betreuung“, „Projektevaluation“ und „Infos zur Toolbox“ strukturiert und bietet Kurz-Infos, dargestellt z. B. in H5P. In Kombination mit dem Semesterinfodokument von dem Praktikumsmodul finden die Studierenden hier alle zur Ableistung des OPs erforderlichen Informationen. Die Rubriken „Wichtige Termine“, „Projektmanagement“ und „Trello“ sind dieses Semester erstmalig explizit in Moodle aufgeführt; sie hatten sich beim Durchlauf im WS 19/20 als besonders essentiell erwiesen.

Zur Kommunikation zwischen Betreuenden und Studierenden wird das „Betreute Forum“ in Moodle genutzt. In den Online-Sprechstunden zum OP über Adobe Connect können konkrete Fragen zur Projektaufgabe geklärt werden. Die Präsentation der Projektergebnisse zu den Praktika wird auch in Adobe-Connect veranstaltet. Die Terminierung wird zeitlich flexibel gehalten, findet aber zumeist in den frühen Abendstunden statt, um den Berufstätigen entgegenzukommen.

Da qua Aufgabenstellung bereits Projektmanagement (PM) als zu nutzender Ansatz gesetzt ist, wurde als Projektplanungs-Tool zu Projektbeginn „Padlet“ verwendet, was sich jedoch als zu unübersichtlich herausstellte. „Padlet“ wurde durch „Trello“ ersetzt und dieses Tool funktioniert für alle Beteiligten optimal. Über „Trello“ supervisiert die Praxisbetreuung die Praktikant*innen, sobald sie für deren Board freigeschaltet ist, und gibt regelmäßig passgenaues Feedback zur Projektplanung. So werden die Projekte bereits zu diesem frühen Zeitpunkt – falls nötig – auf die richtige Spur gesetzt.

Zur kooperativen Kommunikation untereinander und auch bei der Betreuung durch externe Praktikumsgebende werden häufig Skype, WhatsApp, seltener Emails verwendet. Manchmal werden auch virtuelle Räume im Adobe Connect-Portal genutzt. Der Betreuungsmodus (zeitliche Taktung, Medium) wird flexibel zwischen beide Parteien vereinbart.

Um dem hohen Praxisanspruch eines Praktikums auch im OP gerecht zu werden, wurden aus der Praxis der Lehrgebiete Mediendidaktik und Medienpädagogik Projektthemen zur Bearbeitung generiert. Alle Projekte weisen somit einen starken Anwendungsbezug auf. Es entstanden als erste mediale studentische Produkte innovative Selbstlernumgebungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, wobei multimediale Elemente eingebunden wurden. Lernumgebungen (z.B. zum E-Portfolio in der Fernlehre) wurden sorgsam und einfallsreich weiterentwickelt. Die Nachhaltigkeit so entstandener qualitativ hochwertiger Produkte wird – das Einverständis der Designer*innen vorausgesetzt – mit deren Verwendung in der Fernlehre sichergestellt.

Um eine Ausweitung des Praxisbezuges auf weitere potentielle Berufsfelder für Bildungswissenschaftler*innen außerhalb der FernUniversität zu erreichen, konnten externe Kooperationspartner aus der „Bildungspraxis“gewonnen werden: Unsere Praktikant*innen können ihr digitales Praktikum seit diesem Semester bei der IG Metall oder der BfZ GmbH, einem Bildungsträger in Essen, absolvieren. Die IG Metall und die BfZ stellen inhaltlich und fachlich die digitale Betreuung derjenigen Praktikant*innen sicher, die sich auf ihre Projekte beworben haben.

Pro Semester können sich die Studierenden auf insgesamt 6-7 Projekte bewerben. Allen Projekten eigen sind der starke bildungswissenschaftliche Bezug und die Entwicklung eines medialen Produktes. Die Projektarbeit beinhaltet außerdem die Kollaboration im Team (abgesehen von wenigen Einzel-projekten), das Wahrnehmen von Sprechstunden mit den Betreuenden sowie virtuelle Präsentationen der Zwischen- und Endergebnisse inklusive Peer-Feedback in Adobe Connect. Jedes Projekt wird von den Studierenden nach Projektende entweder summativ oder formal evaluiert.

Die Praktikumsprojekte sind bereits zu Semesterbeginn für die Studierenden in Moodle sichtbar, werden aber offiziell erst nach der Kick-Off-Veranstaltung, wo sie auch durch die jeweiligen Praktikumsgeber vorgestellt werden, zur Bewerbung freigegeben. Nach Öffnung der Moodle-Umgebung können sich die Studierenden dann online auf ihre Favoriten bewerben und werden bestmöglich mit ihren Wünschen gematcht. In der Regel werden sie in Tandems eingeteilt.

 

Erste Ergebnisse

Als aus dem OP hervorgehende mediale Produkte entstehen z.B. ausgeklügelte Lösungen für neue Moodle-Lernumgebungen, neu entwickelte Studienbriefe und wissenschaftliche qualitative und quantitative Bedarfsanalysen. In Kooperation mit der BfZ gelang ein neuer online-Einführungskurs für Mitarbeiter*innen des Unternehmens in Moodle („onboarding with moodle“). Die mediale Darstellung geht von einfachen Screencasts über Podcasts bis hin zu Videotutorials oder Darstellungen in H5P. In der Wahl der Medien sind die Studierenden frei, bekommen aber ein Starter-Kit an Tools zur Verfügung gestellt.

Da jeder Projektdurchlauf pro Semester qualitativ evaluiert wird, liegen bereits erste Empfehlungen zu  Tools und Programmen vor, die sich für die digitale Projektarbeit und Kommunikation bewährt haben.

Durch den iterativen Charakter der mit dem DBR – Ansatz durchgeführten Forschung sind agile Änderungen des Projektablaufs im Prozess förmlich erwünscht.

Bewährte Tools und Programme

  • Adobe Connect: Pro Durchlauf haben sich drei Online-Meeting-Termine (Kick-Off-Veranstaltung, Online- Sprechstunden und Ergebnis-Präsentation) als günstg erwiesen.
  • LMS Moodle, PM-Software Trello (freiwillig), Adobe Connect.
  • Stark strukturierte Infos in Moodle zu Terminen und Betreuungsmodalitäten.
  • Tool-Box mit bewährten Programmen in Moodle.

Das OP-Projekt trifft mit einer 100%-tigen Auslastung bei Studierenden auf einen akuten Bedarf und gewinnt gerade in der jetzigen krisenhaften Zeit, in der Präsenzpraktika unmöglich sind, rasch an Bedeutung. Die Projektverantwortlichen arbeiten mit Hochdruck an der Entwicklung des Modell-Konzeptes zu Online-Praktika.

Bitte beachten Sie: Aus datenschutzrechtlichen Gründen dürfen Studien- oder Prüfungsleistungen nur über die bereits genehmigten Anwendungen der FernUniversität geleistet werden. Die Nutzung von externen Werkzeugen sollte in der Lehre grundsätzlich nicht verpflichtend, sondern nur freiwillig sein. Das gilt sowohl für Werkzeuge bei denen für die Nutzung ein Konto erstellt werden muss also auch bei solchen, die ohne Konto genutzt werden können. In jedem Fall werden personenbezogene Daten übermittelt. Wenn das Arbeiten mit dem Werkzeug hingegen freiwillig ist, sollte der Einsatz kein Problem sein. In jedem Fall ist eine Absicherung durch das Dezernat 2.4 empfehlenswert.

Weitere Informationen

Voraussetzungen

  • Vorerfahrung mit dem LMS Moodle
  • (Hohe) technische Affinität zu Programmen und Tools
  • Spaß an kreativer Entwicklung von technischen Lösungen im didaktischen Kontext
  • Hohe Kommunikationsbereitschaft
  • Spaß an forschendem Lernen und Teamwork
  • Neugierde in Bezug auf Praxisfelder bei potentiellen Arbeitgeber*innen

Tools

  • LMS Moodle
  • Adobe Connect
  • Padlet
  • Trello (bei Bedarf)
  • Skype (bei Bedarf)

Kontakt

Anke Maywald und Barbara Hirzmann, beide Lehrgebiet Mediendidaktik an der FernUniversität in Hagen

Übersicht

Ziele

  • Schaffung eines alternativen Praktikumsangebots für Studierende ohne Möglichkeit zu analogem Praktikum.
  • Theorie-Praxis-Verzahnung durch praxisnahe Aufgaben und virtuelle Betreuung durch Praktiker*innen.
  • Agile Einbindung der evaluierten Bedarfe in Projektprozess.
  • Good-practise-Modell zur Gestaltung von Online-Praktika.

Kontext

  • B.A. BiWi, Modul 3B: Management einer Projektarbeit.
  • Kooperation mit Rechtswissenschaftlichen Fakultät (EJP), Institut für Geschichte/ Biografieforschung, Fakultät für Mathematik/Informatik, LG Soziologie III.

Probleme

  • Beruflich, gesundheitlich oder familiär bedingte Unmöglichkeit eines Präsenz-Praktikums.
  • Gewinnung FernUni-interner und  externer Kooperationen für Praktikumsaufgaben und -betreuung.

Lösung

  • Translation eines Präsenzpraktikums in ein rein digitales Praktikumsformat.
  • Direktansprache spannender Praxisstellen.
  • Kombination von Projektaufgaben aus der Praxis (Workload 120 Stunden) und digitaler Betreuung.

Vorteile

  • Online-Praktikum als einzige Chance zum bislang alternativlosen Präsenzpraktikum.
  • Erstellung digitaler Produkte ist sehr gut geeignet für Online-Praktikum.
  • Übertragung auf andere Fakultäten leicht möglich.

Nachteile

  • Nur virtueller Kontakt mit Studierenden.
  • Fakultäten der FernUni erkennen Potentiale von OP für ihre Bereiche, Kooperationen mit externen Universitäten stehen noch aus.

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