Blended Learning vs. Online-Lehre – Eindrücke vom Erasmus+ Staff Exchange an der Universitat Oberta de Catalunya in Barcelona

Wie lässt sich digitale Lehre gestalten, welche Rolle haben die Lehrenden dabei und wie machen das eigentlich andere Unis? Mit diesen und vielen weiteren Fragen habe ich mich im Rahmen eines Erasmus+ Staff Exchange Ende September mit zwei weiteren Kolleg*innen aus dem ZMI auf den Weg nach Barcelona gemacht. Denn besonders interessant ist hier die Universitat Oberta de Catalunya (UOC), die Mitte der 1990er Jahre als reine Online-Universität gegründet wurde und daher der im analogen Zeitalter gegründeten FernUniversität im Bereich der digitalen Lehre um einiges voraus ist.

Einige Infos zur Universitat Oberta de Catalunya

Die UOC ging 1995/96 mit rund 200 Studierenden und zwei Fachbereichen (Bildungspsychologie und Wirtschaftswissenschaften) an den Start. Inzwischen hat die Hochschule über 58.000 Studierende in 27 Bachelorstudiengängen, 50 Masterstudiengängen, 275 Weiterbildungsprogrammen, vier Promotionsprogrammen und zahlreichen offenen Kursen. Gelehrt wird auf Katalanisch, Spanisch und z.T. auf Englisch. Wie an der FernUniversität in Hagen sind rund 80 Prozent der Studierenden berufstätig. Doch während die FernUni ein Blended Learning Modell verfolgt mit Präsenz- und Online-Lehre, erfolgt die Lehre und Betreuung der Studierenden an der UOC ausschließlich online im Virtuellen Campus (dazu später mehr).

Das studierendenzentrierte Lehr- / Lernmodell

Eine interessante Besonderheit ist das studierendenzentrierte Lehr-/Lernmodell, das die Lernenden in den Mittelpunkt stellt und ihnen eine höchstmögliche Flexibilität beim lebenslangen Lernen ermöglichen soll. Zentral sind darin die Lernaktivitäten mit unterschiedlichen Lernressourcen und die kontinuierliche Bewertung von Lernfortschritten (anstelle von einzelnen Abschlussprüfungen). Daneben wird die Zusammenarbeit der Studierenden untereinander durch Projektarbeiten, problembasiertes Lernen und agile Methoden gefördert. Unterstützt werden die Studierenden dabei durch Lehrende mit unterschiedlichen Rollen. Der Professor oder die Professorin gestaltet den Kurs und die Materialen. Umfassende Unterstützung bieten bei der Materialauswahl und -erstellung die (rein virtuelle) Bibliothek und weitere Serviceeinrichtungen der UOC, die auch die Lizensierung von externem Material und die Qualitätssicherung gewährleisten. Zudem koordiniert der*die Professor*in die Kursbetreuer*innen. Diese wiederum begleiten und bewerten den Lernprozess in einem Kurs. Daneben gibt es Tutor*innen, die die Studierenden während ihres Studiums begleiten und sie auf ihrem akademischen Weg unterstützen (und auch mal nachfragen, was los ist, wenn Studierende längere Zeit nicht aktiv waren).

Der Virtuelle Campus

Zentrale Anlaufstelle für die Lehre, aber auch für alle administrativen Services an der UOC, ist der Virtuelle Campus. Hier befinden sich die virtuellen Klassenräume mit Kalender, Kursplan, Aktivitäten, Lernressourcen, Schwarzem Brett, Forum usw. sowie alle weiteren Services der UOC (wie z.B. Bibliothek, Kursbelegung etc.).

Der Virtuelle Campus ist für das Projekt Lehrbetrieb, in dem ich mitwirke, besonders interessant, da wir im Rahmen der Entwicklungslinie 3 eine Portalumgebung für Studium und Lehre, also einen solchen virtuellen Campus, an der FernUniversität konzipieren und technisch umsetzen. Daher war der Austausch zu dessen didaktischen und technischen Aspekten besonders wertvoll für unsere eigenen Überlegungen.

Und sonst?

Auch in der Erforschung und Weiterentwicklung des Online-Lernens ist die UOC mit ihrem eLearn Center sehr aktiv. Im Bereich ePrüfungen ist sie derzeit beispielsweise Koordinatorin des EU-Projekts TeSLA, das im April bereits von den finnischen Projektpartnerinnen an der FernUniversität vorgestellt wurde. Das Projekt wurde uns von der Leiterin noch einmal detailliert vorgestellt und Kooperationsmöglichkeiten im Rahmen eines Pilotprojektes eruiert.

Zudem ist die UOC Mitglied im Dxtera Institute, einem Konsortium, das für die beteiligten Bildungseinrichtungen technische Lösung zur Integration unterschiedlicher, alter wie neuer Systeme entwickelt und damit den Lernprozess verbessern möchte. Da der Mitbegründer von Dxtera zur gleichen Zeit an der UOC war wie wir, kam ein sehr informatives Treffen zustande. Denn mit ihrer über Jahrzehnte gewachsenen IT Systemlandschaft ist die FernUni kein Einzelfall und es war interessant für uns, dass es offenbar Unternehmen gibt, die nicht nur komplett fertige neue Lösungen anbieten, sondern bestehende und neue Systeme versuchen zu verbinden und zukunftsfähig zu machen.

Fazit

Insgesamt haben wir viele Ideen und Anregungen für unsere Arbeit hier an der FernUni mitgenommen. Da der Aufenthalt mit zwei Tagen doch sehr kurz war und nicht alle Fragen geklärt werden konnten, werden wir weiterhin Kontakt halten und Kooperationsmöglichkeiten ausloten.

Ich kann einen Austausch im Rahmen des Erasmus+ Staff Exchange jedem*r sehr empfehlen, egal ob Lehrende*r oder sonstige*r Mitarbeiter*in an der FernUni. Ein Blick über den Tellerrand tut immer gut, um sich Impulse für die eigene Arbeit zu holen. Weitere Infos zu Erasmus+ gibt es im International Office der FernUniversität.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.