Startseite Schreiben Sie uns! RSS-Abonement Infos für Feu-Lehrende

Aktivierende Präsenzmethoden ins Digitale übersetzt

Aktivierende Präsenzmethoden ins Digitale übersetzt

Dr. Thomas Canz vom Lehrgebiet Bildungspsychologie stand am Anfang des Jahres wie viele andere vor dem Problem, seine Präsenzveranstaltungen ins Digitale zu übersetzen. Er hat daraus sein Projekt im NRW-Zertifikatsprogramm „Professionelle Lehrkompetenz für die Hochschule“ gemacht und untersucht, welche Präsenzmethoden sich auch in synchronen Online-Szenarien anwenden lassen. Hier im Blog stellt er einige ausgewählte Methoden vor, die vielleicht schon bekannt sind, und gibt Tipps, wie sie online gelingen. Den Schwerpunkt bildeten dabei Diskussions- und Elaborationsmethoden.

von Dr. Thomas Canz

Alternative Namen: Aquarium, Goldfischglas

Illustration zur Methode Fishbowl, Beschreibung im Text
Illustration: FernUniversität

Vorgehen:

  • Es wird ein Innenkreis und ein Außenkreis gebildet.
  • Der Innenkreis besteht aus einem Expertenteam, einer moderierenden Person und einem freien Stuhl.
  • Der Innenkreits diskutiert eine Auswahl an Fragen zu einem Thema.
  • Der Außenkreis stellt das Auditorium dar, welches vorwiegend nur rezipierend teilnimmt.
  • Der freie Stuhl steht für Außenkreismitglieder zur Verfügung. Will ein Außenkreismitglied sich an einer Stelle in die Diskussion einbringen, kann es diesen Platz einnehmen und sich aktiv einbringen.
  • Ist der freie Stuhl besetzt, kann „abgeklatscht“ werden und ein anderes Außenkreismitglied kann den Platz einnehmen.
  • Je nach Größe des Innen- und des Außenkreises kann auch mit zwei (oder mehr) feien Stühlen gearbeitet werden.

Hinweise zur Online-Umsetzung: Hier kann die Besetzung des freien Platzes via Mikrofonfreigabe geregelt werden.

Allgemeiner Hinweis: Die Methode funktioniert dann gut, wenn es (annähernd) echte Experten gibt. Man sollte diesbezüglich die Vorstellungsrunde aufmerksam verfolgen und sich notieren, wer als Expertin / als Experte für das jeweilige Thema in Frage käme und ob es insgesamt hinreichend viele Personen für eine Expertenrunde sind. Als Rollenspiel mit Pseudoexperten funktioniert die Methode erfahrungsgemäß nicht besonders gut.

Weitere Informationen zur Methode: Kennen Sie schon… Fishbowl?

Illustration zur Methode Kugellager, Beschreibung im Text
Illustration: FernUniversität
Alternative Namen: Speed Dating, Karussell-Diskussion

Vorgehen:

  • Es wird ein Innenkreis und ein Außenkreis gebildet.
  • Je zwei Personen stehen sich gegenüber.
  • Die Partner diskutieren eine vorgegebene Fragestellung über ein kurzes Zeitintervall (bspw. ca. 2 Minuten lang).
  • Anschließend rotiert entweder der Außenkreis (oder der Innenkreis – vorher festlegen!) eine Position im oder gegen den Uhrzeigersinn (ebenfalls vorher festlegen!).
  • Nun diskutieren die neuen Partner das Thema für ein entsprechend identisches Zeitintervall die Fragestellung.
  • Dieses Vorgehen wird bis zu einer vollständigen Kreisrotation (= eine Runde) wiederholt.
  • Falls es für die Fragestellung sinnvoll erscheint, dass Paarungen nach erfolgten Inputs sich erneut begegnen, können auch mehrere Runden gespielt werden.

Ziele und Vorteile der Methode:

  1. hohe Gesprächsdichte
  2. Aneignung vieler Meinungen/Perspektiven; Perspektiven-, Meinungsentwicklung
  3. kein Verlieren in Diskussionsdetails (Diskussion in die Breite, nicht in die Tiefe)

Hinweise zur Online-Umsetzung:

  1. Paarpositionen werden durch einzelne Gruppenräume realisiert.
  2. Rotierende Personen müssen Berechtigung haben, Räume selbstständig zu wechseln und müssen diesbezüglich instruiert werden. Alternative: händische Verschiebung der Teilnehmenden; dies ist jedoch sehr aufwendig und erfordert passgenaues Verschieben durch mehrere Moderatoren/Veranstalter.

Allgemeiner Hinweis: Die Fragestellung muss für eine Breitendiskussion und für eine Vernachlässigung einer Tiefendiskussion geeignet sein.

Alternative Namen: Schneeball-Verfahren, Wachsende Gruppe, Rakete

Illustration zur Methode Lawinendiskussion, Beschreibung im Text
Illustration: FernUniversität

Vorgehen:

  1. Eine Frage oder ein Fragenbündel wird in Gruppen diskutiert.
  2. In Phase 1 disktutieren Zweiergruppen (je nach Teilnehmerzahl auch einzelne Dreiergruppen).
  3. Für Phase 2 werden je zwei Zweier-(bis-Dreier-)Gruppen zu einer Vierer-(bis-Sechser-)Gruppe zusammengelegt und diskutieren das Thema weiter.
  4. Für Phase 3 werden je zwei Vierer-(bis-Sechser-)Gruppen zu einer Achter-(bis-Zwölfer-)Gruppe zusammengelegt und diskutieren das Thema weiter.
  5. ggf. weitere Phasen; die Anzahl der Phasen richtet sich nach der Gesamtteilnehmerzahl.
  6. In der letzten Phase werden die beiden Gruppen aus der vorletzen Phase zusammengeschlossen und es wird im Plenum diskutiert.

Ziele der Methode:

  1. immer neue Blickwinkel etappenweise integrieren
  2. schrittweise Konsensfindung in komplexen Strukturen
  3. ständiges Hinterfragen und Reflektieren bereits erreichter vorab erzielter Konsense

Hinweise zur Online-Umsetzung: Es müssen so viele Räume angelegt werden, wie es Phasen und Gruppen gibt. Also bspw. acht Zweierräume, vier Viererräume und zwei Achterräume. Nach jeder Phase werden die Mitglieder aus je zwei Zweierräume in einen Viererraum verschoben etc.

Illustration zur Methode Fast Networking, Beschreibung im Text
Illustration: FernUniversität
Alternative Namen: Speed Networking

Vorgehen:

  1. Mehrere verbundene Unterfragen zu eine Thema werden gestellt.
  2. Für jede Unterfrage wird eine Gruppe gebildet.
  3. In Phase 1 bearbeitet die Gruppe ihre Frage und hält die Ergebnisse optisch (bspw. auf einem Flip-Chart-Bogen oder einem Whiteboard) fest.
  4. In Phase 2 bleibt mind. eine Person am Platz, die anderen Gruppenmitglieder besuchen die anderen Gruppen (jedes eine andere Gruppe) und tauschen sich dort in der neu zusammengekommenen Gruppen zum Thema/zur Fragestellung aus.
  5. In Phase 3 wandern die Tielnehmenden weiter zu jeweils wieder einer anderen Gruppe, sodass wieder neue Gruppenzusammenstellungen entstehen.
  6. Wie viele Phasen in dieser Art und Weise (wie in Phase 2 und 3) durchgeführt werden, hängt davon ab, wie viel Zeit zur Verfügung steht und wie lange die Phasen sind. Es muss nicht so lange weitergemacht werden, bis jedes Teammitglied an jedem Gruppenplatz gewesen ist. Es sollte jedoch darauf geachtet werden, dass aus jedem Team mind. je ein Teammitglied an jedem Tisch war.
  7. Wer die Stellung am Gruppenplatz hält, kann entweder fixiert sein oder über die Phasen variieren.
  8. Vorletzte Phase: Die Gruppenmitglieder gehen in ihre Gruppe zurück, diskutieren und integrieren die durch den Austausch hinzugewonnen Informationen.
  9. Letzte Phase: Die Ergebnisse werden im Plenum anhand des optischen Produkts (bspw. Whiteboard) kurz vorgestellt.

Hinweise zur Online-Umsetzung: Teilnehmende sollten entweder die Möglichkeit haben, selbständig die Gruppenräume zu wechseln, dann müssen die Methodenleitenden jedoch darauf achten, dass Teilgruppen nicht ständig gemeinsam weiterziehen, und ebenso darauf, dass von jeder Gruppe mind. je ein Vertreter mal in jedem Gruppenraum war. Oder die Teilnehmenden müssen manuell zum Phasenwechsel verlegt werden. Ein vorab erstellter Verteilungsplan, um immer neue Gruppenzusammensetzungen zu ermöglichen und alle Gruppenräume durch mind. einen Gruppenvertreter einer jeden Gruppe besucht werden zu lassen, ist hierbei hilfreich.

Illustration der Methode "World Café"
Illustration: FernUniversität
Alternative Namen: Café to go

Vorgehen:

  1. Es werden mehrere Fragestellungen zu einem Überthema gestellt.
  2. Jede Fragestellung wird an einem Tisch (online: in einem Gruppenraum) bearbeitet.
  3. An jedem Tisch liegt eine beschreibbare Tischdecke (online: ein beschreibbares Whiteboard). An in jedem Tisch (online: in jedem Raum) befindet sich ein fester Moderator.
  4. Die Teilnehmenden verteilen sich auf die Tische (Räume) und diskutieren die entsprechende Fragestellungen und beschreiben die Tischdecke (das Whiteboard).
  5. Alle X Minuten wechseln die Teilnehmenden die Tische (Räume). Dabei wechseln die Teilnehmenden an unterschiedliche Tische (in unterschiedliche Räume), sodass neue Gruppenzusammenstellungen entstehen. Moderatoren bleiben fest an ihrem Tisch (in ihrem Raum).
  6. Es werden mehrere Phasen durchlaufen, idealerweise so viele Phasen, wie es Tische (Räume) gibt.
  7. Im Anschluss präsentieren die Moderatoren die Tischdecken (Whiteboards) im Plenum.

Hinweise zur Online-Umsetzung: Teilnehmende sollten entweder die Möglichkeit haben, selbständig die Gruppenräume zu wechseln, dann müssen die Methodenleitenden jedoch darauf achten, dass Teilgruppen nicht ständig gemeinsam weiterziehen. Oder die Teilnehmenden müssen manuell zum Phasenwechsel verlegt werden. Ein vorab erstellter Verteilungsplan, um immer neue Teilnehmerzusammensetzungen zu ermöglichen und jeden einmal an jeden Tisch (in jeden Raum) zu platzieren, ist hilfreich.

Weitere Informationen zur Methode: Kennen Sie schon… die Methode World Café?

Illustration Marktplatz Methode
Illustration: FernUniversität
Alternative Namen: Meinungsmarkt, Marktplatz

Vorgehen:

  1. Es werden Kleingruppen gebildet, die jeweils eine (andere) Fragestellung zu einem Thema bearbeiten.
  2. 1. Phase: Die Kleingruppen bereiten ein Poster bzw. ein Whiteboard (= Marktstand) zur Beantwortung ihrer Fragestellung vor.
  3. 2. Phase: Ein Gruppenmitglied bleibt jeweils am Platz, die anderen bewegen sich über den Markt, informieren sich an den anderen Ständen, stellen dort Fragen und ergänzen ggf. Informationen (= der Marktgang). (Ein Wechsel der am Marktstand bleibenden
    Person ist möglich).
  4. 3. Phase: Die Gruppenmitglieder kehren an ihren Stand zurück und tragen die Informationen des Marktgangs zusammen und integrieren diese.
  5. 4. Phase: Jede Gruppe stellt ihr Ergebnis im Plenum oder im Rahmen eines zweiten Marktgangs (anhand des überarbeiteten Posters/Whiteboards vor).

Hinweise zur Online-Umsetzung: Teilnehmende sollten für Phase 2 entweder die Möglichkeit haben, selbständig die Gruppenräume zu wechseln, oder die Phase 2 muss in Subphasen unterteilt werden, für welche dann manuelle Raumwechsel vorgenommen werden. Ein vorab erstellter Verteilungsplan kann für diese Variante hilfreich sein.

Weitere Informationen zur Methode: Kennen Sie schon… die Methode Marktplatz?


Es gibt eine Vielzahl von Methoden für Präsenz- und Online-Veranstaltungen. Gibt es auch welche, die Sie bereits getestet oder übersetzt haben und mit denen Sie gute Erfahrungen gemacht haben? Schreiben Sie doch einfach im Kommentar, welche das waren und wie sie funktionieren!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Die FernUniversität in Hagen ist Partnerhochschule von